Druckschrift 
Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
11
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Licht stellen wollen. Nein, dieser schlechte Geschmack,dieser Wille zur Wahrheit, zurWahrheit um jeden Preis,dieser Jünglings-Wahnsinn in der Liebe zur Wahrheit

ist uns verleidet: dazu sind wir zu erfahren, zu ernst,zu lustig, zu gebrannt, zu tief . . . Wir glauben nichtmehr daran, dass Wahrheit noch Wahrheit bleibt, wennman ihr die Schleier abzieht; wir haben genug gelebt,um dies zu glauben. .Heute gilt es uns als eine Sacheder Schicklichkeit, dass man nicht Alles nackt sehn, nichtbei Allem dabei sein, nicht Alles verstehn undwissenwolle.Ist es wahr, dass der liebe Gott überall zugegenist? fragte ein kleines Mädchen seine Mutter:aber ichlinde das unanständig ein Wink für Philosophen!Man sollte die Scham besser in Ehren halten, mit dersich die Natur hinter Räthsel und bunte Ungewissheitenversteckt hat. Vielleicht ist die Wahrheit ein Weib, dasGründe hat, ihre Gründe nicht sehn zu lassen? Vielleichtist ihr Name, griechisch zu reden, Baubo? . . . Oh diese Grie-chen! Sie verstanden sich darauf, zu leben: dazu thut noth,tapfer bei der Oberfläche, der Falte, der Haut stehen zubleiben, den Schein anzubeten, an Formen, an Töne, anWorte, an den ganzen Olymp des Scheins zu glauben!Diese Griechen waren oberflächlich aus Tiefe! Undkommen wir nicht eben darauf zurück, wir Wagehalsedes Geistes, die wir die höchste und gefährlichste Spitzedes gegenwärtigen Gedankens erklettert und uns von daaus umgesehn haben, die wir von da aus hinabgesehnhaben? Sind wir nicht eben darin Griechen? An-beter der Formen, der Töne, der AVorte? Eben darum

Künstler?

Ruta bei Genua, im Herbst 1886.