Schmerz „verbessert“ —; aber ich weiss, dass er unsvertieft. Sei es nun, dass wir ihm unsern Stolz, unsernHohn, unsre Willenskraft entgegenstellen lernen und esdem Indianer gleichthun, der, wie schlimm auch gepeinigt,sich an seinem Peiniger durch die Bosheit seiner Zungeschadlos hält; sei es, dass wir uns vor dem Schmerz injenes orientalische Nichts zurückziehn — man heisst esNirvana —, in das stumme, starre, taube Sich-Ergeben,Sich-Vergessen, Sich-Auslöschen: man kommt aus solchenlangen gefährlichen Übungen der Herrschaft über sichals ein andrer Mensch heraus, mit einigen Fragezeichenmehr, vor Allem mildem Willen, fürderhin mehr, tiefer,strenger, härter, böser, stiller zu fragen, als man bis da-hin gefragt hatte. Das Vertrauen zum Leben ist dahin:Mas Leben selbst wurde zum Problem. — Möge manja nicht glauben, dass Einer damit nothwendig zumDüsterling geworden sei! Selbst die Liebe zum Lebenist noch möglich, — nur liebt man anders. Es ist dieLiebe zu einem Weibe, das uns Zweifel macht . . . DerReiz alles Problematischen, die Freude am X ist aberbei solchen geistigeren, vergeistigteren Menschen zu gross,als dass diese Freude nicht immer wieder wie eine helleGluth über alle Noth des Problematischen, über alle Ge-fahr der Unsicherheit, selbst über die Eifersucht des Lie-benden zusammenschlüge. Wir kennen ein neues Glück_
4 -
Zuletzt, dass das Wesentlichste nicht ungesagt bleibe:man kommt aus solchen Abgründen, aus solchem schwe-ren Siechthum, auch aus dem Siechthum des schwerenVerdachts, neugeboren zurück, gehäutet, kitzliger,boshafter, mit einem feineren Geschmacke für die