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Aber jene wurden gut genannt und empfunden und all-mählich ganz von den edleren und reinen Gefühlen durch-tränkt — und idealisirt, ideal gemacht! So wurdedie Arbeit, die Armuth, der Zins, die Päderastie zuverschiedenen Zeiten entwürdigt, zu andern Zeiten idealgemacht.
89.
(Vgl. Morgenrötlie, Apli. 87; Jenseits, Apk. 149.)
Ich sehe in dem, was eine Zeit als böse empfindet,das, was ihrem Ideale widerspricht, also einen Atavis-mus des ehemaligen Guten: zum Beispiel eine gröbereArt von Grausamkeit, Mordlust, als heute vertragen wird.Irgendwann war die Handlung jedes Verbrechers eineTugend. Aber jetzt empfindet er selber sie mit demGewissen der Zeit, — er legt sie böse aus. Alles oderdas meiste, was Menschen thun und denken, als böseauslegen, geschieht dann, wenn das Ideal dem mensch-lichen Wesen überhaupt nicht entspricht (Christenthum):so wird alles Erbsünde, während es eigentlich Erb-tugend ist.
90.
Die Weihung ist gegeben worden der Beutelust,der Gefrässigkeit, der Wollust, der Grausamkeit, der Ver-stellung, der Lüge, der Schwäche, der Tollheit, dem Veits-tanz, der Betrunkenheit, der Empfindsamkeit, der Faul-heit, der Unwissenheit, dem Nichtbesitzen, der Geistesöde,der Schadenfreude, der Furcht, — allen entgegengesetztenEigenschaften, die irgendwo Geschmack und unüberwind-liche Neigung erzeugt hat (jedesmal lästerte und ekelteman sich vor dem Gegensätze und nannte ihn schlechtoder niedrig).