2. Vorrede.
(Vermutklich Frühjahr 1878-)
Wenn es schon dem Autor begegnet, dass er, vorsein eigenes Buch hingestellt, demselben mit Befremdungin’s Gesicht sieht, und ihm die Frage über die Lippenläuft: bin ich’s? bin ich’s nicht? — um wie viel mehrmüssen die Leser seiner früheren Schriften eine solche Em-pfindung haben, zumal wenn sie den Autor derselben nichtpersönlich kennen und er ihnen nur als Geist und Charakterjener Schriften vor der Seele steht. Diesen Lesern, denmir allezeit gegenwärtigen, treuen, unerschrockenen An-spornern und Vertheidigern meines höheren Selbst, —bin ich demnach eine Erklärung schuldig, nicht darüber,was dies Buch ist, sondern was es für sie, für mich be-deutet: dieselbe Erklärung, welche ich mir gebe, wennich, wie gesagt, mitunter dem eigenen Kinde mit Ver-wunderung in die Augen sehe und es bald ein wenigunheimlich, bald allzu harmlos finde.
Jeder von uns, den ausgeprägteren Menschen diesesZeitalters, trägt jene innere freigeisterische Erregtheit mitsich herum, welche in einem, allen früheren Zeiten un-zugänglichen Grade uns gegen den leisesten Druck irgendeiner Autorität empfindlich und widerspenstig macht.Es ist ein Zufall, dass keiner von uns bis jetzt ganz