Die auf Seite 86 mitgetheilte Disposition in neun Ab-schnitten ist concentrirter als die früheren: sie hat auch diemodernen Erziehungsprobleme ausgeschieden, in die der Plan„Die Tragödie und die Freigeister“ auslief: die kommen späterin den Vorträgen über die „Zukunft unserer Bildungsanstalten“besonders zu Worte. Aber von den neun Abschnitten dieser Dis-position sind nur fünf im gedruckten Buche ausgeführt. Von demvierten, „Aristoteles und das Drama“, scheint nicht mehr als dieeine Seite geschrieben zu sein, die in Band X, S. 443 unterden einzelnen Gedanken abgedruckt ist; dieser Theil kann alsAbschweifung ohne Schaden vermisst werden. Auch der achteAbschnitt: „die homerische Heiterkeit“ (S. 162) ist kaum in An-griff genommen: seine Gedanken sind an verschiedenen andrenStellen des Buches schon erschöpft. Seltsam aber ist, dass derzweite und der neunte Abschnitt: „die Voraussetzungen des tra-gischen Kunstwerks“ (S. 90 ff.) und „die Metaphysik derKunst“ (S. 163 ff.), das heisst das Fundament und die Krö-nung des ganzen Baus, im Druck weggelassen sind, obgleichder Text des zweiten in zusammenhängender Niederschrift,zum Theil sogar schon in Reinschrift fertig dalag, und dieGrundgedanken des neunten in der ersten Conception schonaufgezeichnet waren. Angesichts dieser Entdeckung kann mansich nicht verhehlen, dass auch die „Geburt der Tragödie“in ihrer jetzigen Gestalt ein Torso ist. Vielleicht wollteNietzsche die Gedanken seiner von Schopenhauer ausgehen-den Metaphysik der Kunst noch ausreifen lassen und trug des-halb Bedenken, sie in diesem Buche schon festzulegen, dessenAbschluss ihn nach so langen Vorarbeiten drängte. Schwererverständlich ist, weshalb der fertige, klar formulirte zweite Ab-schnitt, dessen Gedanken auch in dem ebenfalls unterdrückten aus-führlichen Vorwort an Richard Wagner (S. 27 ff.) anklingen, damalsungedruckt geblieben ist: er ist von grundsätzlicher Wichtigkeitfür Nietzsche’s harte männliche Auffassung des Griechenthumsund lässt sich als Fundament seiner Ideen über die griechischeKunst im Gefüge seines Buchbaus kaum entbehren. Aucheine Reihe andrer grundsätzlicher Erörterungen, die schon im
Druckschrift
9 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 1 (1896) Schriften und Entwürfe 1869 bis 1872 : Homer und die classische Philologie; Nachträge und Vorarbeiten zur Geburt der Tragödie; Empedokles; Homer als Wettkämpfer; Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten; Bayreuther Horizontbetrachtungen; Das Verhältnis der Schopenhauerischen Philosophie zu einer deutschen Cultur
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377
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