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9 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 1 (1896) Schriften und Entwürfe 1869 bis 1872 : Homer und die classische Philologie; Nachträge und Vorarbeiten zur Geburt der Tragödie; Empedokles; Homer als Wettkämpfer; Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten; Bayreuther Horizontbetrachtungen; Das Verhältnis der Schopenhauerischen Philosophie zu einer deutschen Cultur
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brennenden Wunsch, im Wettkampf der Städte ein Werk-zeug zum Heile seiner Stadt zu sein: darin war seineSelbstsucht entflammt, darin war sie gezügelt und um-schränkt. Deshalb waren die Individuen im Alterthumefreier, weil ihre Ziele näher und greifbarer waren. Dermoderne Mensch ist dagegen überall gekreuzt von derUnendlichkeit, wie der sclmellfüssige Achill im Gleich-nisse des Eleaten Zeno: die Unendlichkeit hemmt ihn,er holt nicht einmal die Schildkröte ein.

Wie aber die zu erziehenden Jünglinge mit einanderwettkämpfend erzogen wurden, so waren wiederum ihreErzieher unter sich im Wetteifer. Misstrauisch-eifersüchtigtraten die grossen musikalischen Meister, Pindar undSimonides, neben einander hin; wetteifernd begegnet derSophist, der höhere Lehrer des Alterthums, dem anderenSophisten; selbst die allgemeinste Art der Belehrung, durchdas Drama, wurde dem Volke nur ertheilt unter der Formeines ungeheuren Ringens der grossen musikalischenund dramatischen Künstler. Wie wunderbar! „Auchder Künstler grollt dem Künstler!“ Und der moderneMensch fürchtet nichts so sehr an einem Künstler alsdie persönliche Kampfregung, während der Grieche denKünstler nur im persönlichen Kampfe kennt. Dortwo der moderne Mensch die Schwäche des Kunstwerkswittert, sucht der Hellene die Quelle seiner höchsten Kraft!Das, was zum Beispiel bei Plato von besonderer künst-lerischer Bedeutung an seinen Dialogen ist, ist meistensdas Resultat eines Wetteifers mit der Kunst der Redner,der Sophisten, der Dramatiker seiner Zeit, zu dem Zweckerfunden, dass er zuletzt sagen konnte: „Seht, ich kanndas auch, was meine grossen Nebenbuhler können; ja,ich kann es besser als sie. Kein Protagoras hat soschöne Mythen gedichtet wie ich, kein Dramatiker ein