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mit dem Einen?“ sagt selbst Goethe, der, wenn irgendein Genius, mit jenem geheimnissvollen Problem derhomerischen Unerreichbarkeit gerungen hat.
Über dasselbe hinweg schien der Begriff der Volks-dichtung als Brücke zu führen: eine tiefere und ursprüng-lichere Gewalt als die jedes einzelnen schöpferischen In-dividuums sollte hier thätig gewesen sein, das glücklichsteVolk in seiner glücklichsten Periode, in der höchstenRegsamkeit der Phantasie und der poetischen Gestaltungs-kraft sollte jene unausmessbaren Dichtungen erzeugt haben.In dieser Allgemeinheit hat der Gedanke einer Volks-dichtung etwas Berauschendes; man empfindet die breite,übermächtige Entfesselung einer volksthümlichen Eigen-schaft mit künstlerischem Behagen und freut sich dieserNaturerscheinung, wie man sich einer unaufhaltsam hin-strömenden Wassermasse freut. Sobald man sich aberdiesem Gedanken nähern und in’s Angesicht schauenwollte, so setzte man unwillkürlich an Stelle der dichten-den Volksseele eine dichterische Volks masse, einelange Reihe von Volksdichtern, an denen das Individuellenichts bedeutete, sondern in denen der Wogenschlag derVolksseele, die anschauliche Kraft des Volksauges, dieungeschwächteste Fülle der Volksphantasie mächtig war:eine Reihe von urwüchsigen Genien, einer Zeit, einerDichtgattung, einem Stoffe zugehörig.
Aber eine solche Vorstellung machte mit Rechtmisstrauisch: sollte dieselbe Natur, die mit ihrem selten-sten und köstlichsten Erzeugnisse, dem Genius, so kargund haushälterisch umgeht, gerade an einem einzigenPunkte in unerklärlicher Laune verschwendet haben?Hier kehrte nun die bedenkliche Frage wieder: ist nichtvielleicht auch mit einem einzigen Genius auszukommenund der vorhandene Bestand jener unerreichbaren Vor-