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ist diese zweite Stelle, wie die erste von mehrcru Solo-Violinencon sordino vorgetragen, von Ripien-Geigen und Bratschen imtremolo unterstützt, Flöten in tiefer, hohl klingender Tonregion,wenn sie höher treten, weit auseinandergezogen (S. 127) und da-durch ihres festen Zusammenhangs verlustig, mischen sich ein.
Es kann an dieser Stelle nicht die Frage sein, ob dieses Ton-bild, das uns das geheimnissvoll schwebende Nahen eines unsichtba-ren Wesens, eines Geistes, dem noch die zartere Weise der Weib-lichkeit oder Jungfräulichkeit eigen und der Ausdruck tiefsten stil-len Leids aufgeprägt ist, — ob dieses Bild hier am Orte war, woderGeist nicht wirklich erscheint, sondern nur von ihm erzählt wird —allerdings mit Schauern auch in der Erinnerung. Im dritten Akt um-schweben dieselben Töne Eglantiuen und man kann ahnen, dass eshier nicht blosse Erinnerung, sondern das wirkliche Nahen des Gei-stes ist, das die Verrälherin in den Tod drängt. Diese Erörterunggehört in eine höhere Lehre; hier sagen wir nur: wenn die Vor-stellung des Geistes dem Tondichter nahen durfte, musste sie sogewiss das volle Gepräge der Persönlichkeit tragen, — das jung-fräulich zarte, im bittersten Jammer nur still leidende Wesen,so gewiss der Geist des erschlagnen Hamlet als Ritter und Honig,in Rüstung und im Hauskleid erscheint. Und dann ist dem an ein-zelnen Karakterziigen so reichen Tonkünstler hier einer der tref-fendsten zugefallen. Die leisen heimlichsiedenden Töne mehrererViolinen neben einander in No. schweben in der That — zumalim Gegensatz zu den Kraftschlägen des vollen Orchesters vor undnachher — wie ätherisch, gleichsam unkörperlich und doch so ein-dringlich in die Nerven, wie kein andres Organ vermöchte. Dasganz unmotivirt zutretende Tremolo der Bratschen durchschauertüberraschend, als wenn die geisterhafte Erscheinung mehr Körper,mehr Gewissheit und Wirklichkeit angezogeu hätte. Körperlicherhat sich das Bild in No. gestaltet und musste es; denn im erstenFalle sland es ganz allein und man gab sich nur ihm hin, jetzt aberbildet es blos den Hintergrund zu Euryanthes Erzählung und wirhängen zunächst an dieser*). Zugleich dienen die Flöten und dasausgebreitete Tremolo, der Singstimme festere Unterlage zugeben und sie mit dem Hauptgedanken im Orchester mehr zu ver-
*) Man könnte, um Webers Tonbild zu motiviren, annehmen, dass der Geistbei Euryanthes Erzählung wirklich nahe sei. Aber wozu ist er genaht? um zuwarnen und zu hemmen? — dazu fehlt jede Andeutung und jeder Erfolg. Eswar’ also ein zweckloses Auftreten eines Wesens, das wir uns übermächtig undtieferschouend denken müssen; ein Geist, der beides nicht wäre, könnte unsnicht Schauer der Ehrfurcht und Scheu, die Ahnung einer geistigen und dadurchmächtigem Welt wecken, sondern nur Mitleid, das an Geringschätzung gränzte.