Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
341
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haben wir bereits S, 268 erwogen und so kann uns das Pizzikatoim Allgemeinen nur als eine untergeordnete Anwendung der Streich-instrumente gelten, als eine um so bedenklichere, da es natür-lich die vornehmlichste, die mit dem Bogen aufhebt.

Demungeachtet ist dasselbe von entscheidender Wichtigkeit,

schon darum, weil es sich so wesentlich von der Bogenwir-knng unterscheidet, dass es einen entschiednen Gegensatz gegendieselbe darbietet. Dann hat der kurz anschlagende etwas harteKlang der gerissnen Saite eine bestimmende Kraft, die den Schwin-gungen gestrichner Sailen eine feste und entsclnedne Rhythmik ent-gegenhält oder sie damit unterstützt 5 zuletzt bieten ganz abge-sehn von dem Gegensatz der Bogenwirkung diese in der Höhehellen und harten, in der Tiefe dumpfen Klänge sich als ein gleich-sam eignes Organ für unzählige Ausdrücke dessen, was in der Seeledes Komponisten lebt. Er kann im tiefsten Pizzikato der Bässeeine Wirkung, ähnlich der des kurzen, dumpfen Paukenschlags,schwächer und verhüllter, aber auf allen Tonstufen erlangbar,

finden; die mittlern und hohem Tonlagen bieten ihm baldtrockne, gleichsam dürre Tonschläge, bald humoristisch ja jovia-lisch kurz gebuudne Klangfolgen, es wäre eben so unausführbarals unnütz, alle Wirkungen und Bedeutungen aufzählen zu wollen,die das Pizzikato schon dargehoten hat und noch darbielen kann.Der Komponist muss den Klang auf allen Streichinstrumenten undin allen Tonlagen und Nüancen kennen, mag von ihm träumen,darf nicht unterlassen, den Gebrauch, den die Meister davon ge-macht, zu beobachten; das Weitere wird dann die schöpferischeStunde gehen.

Hier können und müssen wir uns daher auf wenige allgemeineBetrachtungen beschränken.

Dem Gebrauch des Quartetts, wie wir ihn bis hierher beobach-tet, steht als entschiedner Gegensatz die Behandlung des gesamm-ten Quartetts im Pizzikato gegenüber. Es verwandelt den ganzenChor der Streichinstrumente gleichsam in eine kolossal mächtigeHarfe. Die wirkliche Harfe hat vermöge ihrer freischwingendenSaiten Helligkeit und Glanz des Klangs voraus, das Pizzikato sovieler zusammentreffender Saiten übt wenn auch in dumpferm,verhülltem Klange überlegne Macht aus. Allein dieses gleich-sam neue Organ entzieht uns, so lange es in Wirksamkeit ist, dieentscheidende Bogenwirkung; der Hauptchor des Orchesters hatseine Macht eingebüsst. Im Ganzen wird daher nur seltner undnur vorübergehend von dem Pizzikato des ganzen Quartetts Ge-brauch gemacht werden. Nur der Zutritt von Bläsern oder Sing-stimmen kann dieser Verwendung des Quartetts zu statten kommen;davon ist aber jetzt noch nicht zu reden.