Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
478
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hall des ersten, kein wahrhaft neuer Seelenzustand war, nicht mehrRecht haben, als sich eben wieder festzustellen, sich in seinerneuen Weise vollkommen verständlich auszusprechen; und damitwar entschieden, dass die neue oder Doppelfuge nicht vollständig,nicht weiter als geschehn durch geführt werden dürfe. In schönerEbenmässigkeit der drei Theile hat Mozart im ersten Allegro eineleidenschaftliche Stimmung geweckt, sie im Mittelsatze, dem Adagio,zu Andacht und Sehnsucht nach innerm Frieden erhoben. Im drit-ten Theil ist die Seele wieder der ungestümen Unruh, wenn auchnicht der ganzen Gereiztheit des vorigen Zustandes anheim gefal-len, jener andachtvolle Friede hat nicht festgehalten werden kön-nen. Aber selbst im Schmerz und der Unruhe der alten Erregt-heit, in diesem Sturme, der ohne weitere Versöhnung das Gemüthdahinnimmt, ist eine neue Kraft und Hoffnung, des Ertragensund Ausharrens, lebendig geworden; jene frommen Empfin-dungen sind dennoch nicht verloren, nicht vergebens erweckt wor-den, wenn sie auch nicht haben siegen können.

Es ist ein rechtes Kunstwerk; der Techniker lernt daran, esgiebt dem Seelenkundigen zu denken, erhebt das mitfühlende, ent-zückt das künstlerisch ahnende Gemüth.

Wie wir den Choral mit der einfachen Fuge begleitet haben,so kann es auch mit der Doppelfuge geschehn. Es ist dabei keinweitrer Unterschied, als überhaupt zwischen der einfachen undDoppelfuge, dass nämlich in letzterer zwei Subjekte bald einzelnbald vereinigt durchgeführt werden. Wo sich beide Subjekte mitdem Cantus firmus nicht verträglich zeigen, wird nur eines genom-men und die Durchführung beider vereinten Subjekte für die Zwi-schensätze zwischen einer und der andern Strophe des Chorals auf-bewahrt. Ueberhaupt muss man sich in dieser schon verwickeltemForm mancherlei Abweichungen von der Grundgestalt der Fuge ge-statten, wie wir bereits bei dem Verein der einfachen Fuge mitdem Choral gewahr worden sind.

In Seb. Bachs machtvoller Motette:Fürchte dich nicht!sehen wir diese Form vierstimmig (die Motette ist achtstimmig)angewendet. Tenor und Bass treten mit beiden Subjekten zu-gleich auf:

2. Der Choral mit Doppelfuge.

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