Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
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Einleitung.

Das ganze drille Buch hat, wenn wir seinem Inhalt auf denGrund gehen, nur eine einzige Grundform, die des Lie-des, entwickelt. Das Lied die zu wirklichem Kunstwerk er-hobne Periode wurde in mannigfacher Weise dargeslellt, beson-ders aber in zweierlei Gestalten :erstens homophon,zweitens polyphon.

Die zweite und dritte Abtheilung, welche sich der letztem Gc-slallenreihe widmeten, eröffneten uns das neue und weite Reichder Polyphonie. Aber sie fassten diese neue Erscheinung nur inder Verbindung mit einer gegebnen, schon vorhandnen Liedformauf; an einem Lied, und zwar am Choral, hat sich bisher unsrePolyphonie angehalten und entwickelt.

Gleichwohl haben wir bereits ihre Kraft und Fülle kennen ge-lernt. Wir haben uns (S. 174) sagen müssen, dass in den hohempolyphonen Formen, die wir allmählig entstehen sahen, das ur-sprüngliche Lied, die Choralmelodie keineswegs das Wichtigste,vielweniger das Alleinwichtige sei, dass uns der Cantus firmus nurnoch als Leitfaden, und die Liedform mit ihren Theilen und Slro-phenabschnilten nur noch als Raum, als Gelass gleichsam für unsreTonströme dienten. Ja, Avir haben sogar erprobt, unsre Figuratio-nen eine Zeit lang in den Einleitungen und Zwischensätzenfür sich allein gewähren und gellen zu lassen; und waren hin undwieder (z. B. bei No. 241) auf den Punkt gekommen, wo eineFiguration vor dem Eintritte des Cantus lirmus, also ohne Cantusfirmus für sich allein hätte abschliessen können.

Dies Alles weiset uns auf unsre nächste Aufgabe hin. Wirwerfen das gegebne Lied weg und versuchen, welche Kunstformensich ohne diesen Anhalt aus der Figuration entfalten lassen. Dasswir dabei doch wieder an die Liedesform herangebracht werden,sie in neuen Anwendungen wieder hervorrufen, wird man sich leichtzu deuten wissen, wenn man sich des schon früher über die Un-möglichkeit bestimmter Gränzlinien im Kunstleben Gesagten erin-nert und zurückdenkt, wie alle unsre Gestalten sich im engstenZusammenhang auseinander entfallen.