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Hier berühren oder verschmelzen sich wieder zwei Formen derFiguration, die strenge und die freie Durchführung der Choralmelodie.
Vierter Abschnitt.
Mehr- oder minderstimmige Figuration.
Nachdem wir Kraft und freie Bewegung nach allen Seiten hingeübt haben, kann es uns gleich wenig Schwierigkeit machen, mitviel oder wenig Stimmen zu arbeiten.
Vielstimmigkeit ist im Allgemeinen den Figuralformendesswegen nicht günstig, weil es in ihnen zunächst auf eine mög-lichst freie Bewegung durchaus gehaltvoller Stimmen ankommt, nichtauf Massen zusammengehäufter Töne. Nur in Orchester- und Chor-sätzen, besonders in Doppelchören, kann man gegründeten Anlasszur Vielstimmigkeit finden; abgesehen von dieser Anwendung, diewir erst im dritten und vierten Theile der Kompositionslehre zubetrachten haben, wird Vierstimmigkeit (also eine Stimme für denCantus firmus und drei für die Figuration) oder höchstens Füuf-stimmigke i t,■ die wir schon ohne Weiteres in No. 236 u. f.versucht haben, •— dem Zweck der Form genügen und am gün-stigsten sein.
Minderstimmigkeit dagegen kann für zartere Sätze odereine besonders freie Stimmführung oft grosse Vorlheile bieten.
Wir haben hier zuerst einen Blick auf diedreistimm i g e Figuration
zu werfen.
An Mitteln, eine befriedigende Harmonie herzustellen, kann esuns nicht mehr fehlen. Wir wissen auch schon aus dem erstenBuche, dass eine dreistimmige Harmonie, um zu genügen, reichereAusführung der Stimmen herbeizieht, und dass von wenigem Stim-men jede einzelne um so deutlicher unterschieden, um so sichrerund anlheilvoller verfolgt wird. Mithin werden wir im dreistimmi-gen Satze für eine um so freiere oder genügendere Führung der