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Vierte Abtheilung.
Die freiere Behandlung der Choralfiguration.
Die Arbeiten der vorigen Abtheilung hallen einen zwiefachenAnhalt, der sie dem Anfänger möglich und ihr Gelingen und Forl-schreiten sicher machte: den Cantus firmus, und das Motiv. Dererstere leitete uns, das letztere gab uns den nöthigen neuen Stoff.Aber freilich, — beide übten auch Herrschaft über uns und unserWerk aus. Namentlich haben wir die Aufdringlichkeit des Motivs— oder vielmehr unsre bisherige Unfähigkeit, von ihm loszukom-men — in No. 198, 199, 209 u. a. mehr oder weniger übel em-pfunden.
Hier also ist nach unsrer alten Erfahrung der Fortschritt zuerwarten. Wir sind schon aus dem ersten Theile gewohnt, unsbei jedem gefundnen Salze zu fragen:was haben wir an ihm?was ist an ihm ungenügend?
und von der letztem Frage den Antrieb zu einem neuen Erwerbund Fortschritte zu erwarten. Mit dieser Frage sind wir nun obenauf die Einförmigkeit des Motivs und auf die Fessel des Cantusfirmus gestossen und haben den Antrieb, uns von beiden allmähligzu befreien.
Erster Abschnitt.
Verschiedne Motive für verscliiedne Stimmen.
Wir haben bisher ein einziges Motiv durch alle Stimmen ge-führt, und zwar aus zwei Gründen: weil wir zunächst zufriedensein mussten, auch nur ein Motiv zu besitzen und zu bewältigen;und dann, weil dieses gemeinsame Motiv uns die Einheit des gan-zen Stimmgewebes verbürgte.
Allein diese Einheit ist im Grunde nur eine äusserliche, indemsie davon abhängt, dass jede Stimme einen gewissen Satz gleich-sam als ein Kennzeichen aufnimmt, selbst wenn er für sie (wiez. B. das Motiv in No. 206 für den Bass) nicht der angemessensteInhalt wäre. Zudem wird der eine Salz — wir müssten ihn dennwie in No. 198 unablässig und darum monoton wiederholen — auchnoch nicht genügen, die Einheit des Ganzen zu erhallen, da wirja in weiterer Ausführung, wie schon No. 209 und 215 zeigen,doch von ihm abgehen und neue Weisen für die Stimmen ergreifen.