XX vr Uttiversalhistorische Ueberßcht rei
Wo sonst/ als hier/ erlebte man die Wunderer-scheinung/ daß Vernunstschlüsse des ruhigen For-schers das Fcldgcschrey wurden in mördrischenSchlachten, daß die Stimme der Selbstliebe ge-gen den stärkeren Zwang der Überzeugung schwieg,daß der Mensch endlich das tHeuerste an dasedelste setzte ? Die erhabenste Anstrengung grie-chischer und römischer Tugend hat sich nie überbürgerliche Pflichten geschwungen, nie oder nur ineinem einzigen Weisen, dessen Name schon dergrößte Vorwurf seines Zeitalters ist; das höchsteOpfer, das die Nation in ihrer Hekdenzeit brach-te, wurde dem Vaterland gebracht. Bey Ab-lauf des Mittelalters allein erblickt man in Euro-pa einen Enthusiasmus, der einem hohem Ver-nunftidol auch das Vaterland opfert. Und warumnur hier, und hier auch nür einmal diese Er-scheinung? Weil in Europa allein, und hier nuram Ausgang des Mittelalters die Energie desWillens mit dem Licht des Verstandes zusammen
traf,
der Arbeit; auf den Fleiß und nicht auf dasErzeug uiß. Was es auch seyn mochte, wofürman kämpfte — cs war immer ein Kampf für dieVernunft, denn durch die Vernunft allein hatteman das Recht dazu erfahren, und für dieses Rechtwurde eigentlich ja nur gestritten.