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Carl Loewe, eine ästhetische Beurtheilung
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Vr. Max Runze.

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( 1860 ):Loewe besitzt eine nicht gewöhnliche Phantasie, wahrenDichtersinn, Innigkeit, Kraft, Geist (diesen vor Allem)."

Vor allen Dingen aber handelt es sich um die erneute Fest-stellung seiner bleibenden Bedeutung auf dem Gebiet der Ballade;hier hat erseine ausgezeichnetsten Nebenbuhler verdunkelt",- inder Ballade ist er, wie es ähnlich C. H. Bitter mit vollem Rechthervorhebt, ein klassischer Meister ersten Ranges.

Hierauf Gewicht gelegt, gebührt ihm, wie selbst Franz Brendelzugiebt, in der Musikgeschichte die Stellung neben Schubertohne Widerrede". Vielleicht tritt Loewe in manchen seiner Ar-beiten schwächer hervor, z. B. in manchen seiner Jnstrumentalkomposi-tionen, obgleich er auch hier, wie schon ausgeführt, theilweise Be-deutendes geleistet hat und u. A. seinTrio" z. B. von dem s. Z.gefürchteten Recensenten Fink (eigentlich Loewe's Gegner) ausnehmendgerühmt ward; vielleicht sind auch seine Opern nicht besondershervorragende Werke ob auch sie von Kennern (Spontini, Möser,A. v. Radziwill, und später H. Kurth) als tüchtig anerkannt wurden, mögen auch in manchem Oratorium wirklich einzelne Partien inkleineren Verhältnissen angelegt sein (H. Bellermann nennt einigeChöre kleinlich), und mögen endlich manche seiner Lieder für unsereZeit bedeutungslos sein (Todtengräberlied, Mein Herz, ich will dichfragen): so möchten wir doch vermuthen, daß selbst in den schwäche-ren Theilen mit Rob. Schumann zu sagenbei Loewe immeretwas dahintersteckt". Völlige Unkenntnis über Loewe's Talent,Schulung und Arbeitskraft verräth es, wenn öfters, z. B. vonKienzl, O. Leßmann, H. Urban behauptet wird, Loewe's Kraftreiche für größere Werke nicht aus, darüber ist überhaupt keinWort zu verlieren. Aber ein anderer, beklagenswertster Zug zeigtsich häufiger in der Geschichte seines Schaffens: ihm fehlte eigent-lich ganz die den neueren großen Meistern so gern erwirkte undgegönnte nöthige Muße zum Schaffen, so daß geradeaus diesemGrunde so manches an sich wahrhaft bedeutende größere Werk inder Ausarbeitung einzelner Theile zu kurz kommen mochte.

Als großes Verdienst muß ihm dann ausdrücklich zuerkanntwerden, daß er besonders in seinen Balladen einen ganz neuenStil geschaffen hat, der sich in der Folge nicht nur für dieBalladenmusik höchst wirksam erwies, sondern auch weitere Einwir-kungen ausnbte, z. B. auf das neuere Lied (aber nicht etwa aus