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Carl Loewe, eine ästhetische Beurtheilung
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Carl Loewe.

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„Das Erkennen", „Das nußbraune Mädchen" (zumal in dem ganzvolksthümlichen Anfang) und besonders die ganz im Volkstone ge-haltene schöne Ballade „Die verlorene Tochter".

Loewe's Meister und Muster sind zwar wirklich die altklassischenKomponisten, wie Händel und Bach, — doch darf dem Loewe-Kennerechter Art nicht entgehen, daß er außerdem besonders zweienGeistern nachgeht, die ihn mächtig angezogen, und an denen er sichrecht eigentlich gebildet hat. Der eine war sein Lehrer Türk, —der andere der durch seine Balladen einst weithin bekannte, schon zuLoewe's Jugendzeiten theilweis vergessene Komponist Zumsteeg.

Für Balladen überhaupt hatte Loewe's romantischer Sinn schonganz früh eine ausgeprägte Vorliebe; seine höchste Begeisterung wardin seinem Jugendgemüth entflammt, wenn im elterlichen Hause manihm Balladen von Bürger und Stolberg vortrng, worin besonders seineältere, für alles Mysteriöse empfängliche und mit magisch wirkenderVortragsgabe ausgestattete Schwester ihm nie genug thun konnte.Zumsteeg's Balladen hat Loewe neben den seinen zu allen Zeitengern vorgetragen, besonders die „Leonore", die er ihm zu Liebe nichtvon Neuem komponirt hat (wobei er allerdings, wie er einmal sagte,eine Reihe von Strophen würde gestrichen haben); „tief ergriff mich"— so schreibt er — „die Musik dieses alten, mit Unrecht zurückge-stellten Meisters".

Wie er das Andenken der früheren Meister treu ehrte, so stellteer sich neidlos und anerkennend seinen Zeitgenossen gegenüber. „Dafindet man — wie C. H. Bitter sich ausdrückt — kein Kritteln undMäkeln, kein kritisches Zurechtlegen und Auseinandersetzen. Viel-mehr tritt jene aus der Seele des Künstlers heraus sich entwickelndeunbefangene Gegenseitigkeit, vermöge deren das Fremde bekannt wirdund selbst einander entgegengesetzte Naturen sich wohlthuend be-rühren können, immer und immer wieder als eine Lichtseite seinesCharakters hervor." So hat er unter seinen Zeitgenossen Spontini,Weber, Meyerbeer, Kreutzer, Schubert, Marschner, Mendelssohn,Klein, Schumann und andere, wie Neukomm, Reissiger hoch verehrt,was nach keiner Seite hin zweifelhaft ist. Besonders eng verbundenaber war er, außer mit Weber, mit Spontini, dem Fürsten Antonvon Radziwill und Eduard Grell; — den beiden ersteren unterden Letztgenannten namentlich hat er wohl nicht nur persönlich fürseine Gemüths- und Geistesbildung Vieles zu verdanken, sondern