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niemals reichere und selbständigere Anwendung hat erringen kön-nen , und seit der Reformation vollends verschwunden ist. Nurwenig lydische Melodien finden sich in der böhmischen Choral-sammlung*) und nur ausweichungsweise erscheint das Lydische inandern, namentlich dorischen Melodien. — Die Ursache ihres Un-tergangs lag in ihr selbst.
Ihr karakteristischer Ton ist A; nur dieser eine Ton, die über-mässige Quarte des Grundtons, unterscheidet sie vom Ionischen,so wie von allen andern Tonarten; A ist also unveränderlich,so lange die Tonart lydisch sein soll. Dass nun dieser Ton einenDominant-Akkord (c-e-g-b) für die lydische Tonart unmöglichmacht, würde im Sinne des alten Systems nicht gegen die Brauch-barkeit derselben entschieden haben ; denn die meisten Schlüssewurden nicht durch den Dominant-Akkord, eher durch den Drei-klang der Dominante eingeleitet. Dass ferner dieses h gegen denGrundion ein herbes, nach dem gemeinen Sprachgebrauch unmelo-disches oder unsangbares Verhältniss (das der übermässigen Quarte)gehabt, scheint eben so wenig gegen die Anwendbarkeit der Ton-art entscheidend; denn man könnte ja diesen Schritt, wo er in derMelodie unangemessen war, vermeiden. Dass man endlich trotzdem h mit der Harmonisirung der lydischen Tonleiter zu Standekommen kann, ist leicht zu sehen. — In andern Beziehungen jedochwurde dieses A, — das einzige Merkmal der Tonart, — auch derAnlass, ihr Aufkommen zu hindern.
Die lydische Tonart fiel nämlich erstens bis auf das eine hmit einer andern sehr gebräuchlichen und viel gefügern und fass-lichem, mit dem Ionischen im genus molle,
f-g-a-b-c-d-e-f,
vollkommen zusammen, und konnte so der Vermischung mit dem-selben bis zu gänzlicher Veränderung nicht entgehn**). Zwei-tens entbehrte das Lydische, eben um jenes h willen, einer toni-schen Harmonie auf der Unterdominanle, folglich auch einer Modu-lation dahin, war also nach dieser Seite bin gelähmt. Und für dieseEiubusse w’ard es drittens durch nichts entschädigt. Denn jenesso theuer bezahlte h konnte nur zu einer Ausweichung in die Ober-dominante, nach C ionisch führen ; dies ist aber keine karaklerisli-
*) Im evangel. Choral- und Orgelhuche findet sich No. 176 ein theilslyrischer, theils ionischer Gesang ; das Ionische nämlich im Genus molle, unsermI^dur dargestellt.
'*) Daher lehrt schon um 1274 Marchettus v. Padua (Gerhert scriplt. III,HO—111), dass der fünfte Ton (die lydische Tonart) im Hinaufsteigen der Ton-leiter/t, im Hinabsteigen aber b habe; — ungefähr wie man sich im neuernSystem wegen der übermässigen Sekunde der MoIItonleiler zufrieden stellen wollte.