275
ist nichts, als Ueberleitung des einen Melodielons, c, in den andern,d ; man könnte sagen: c dehne sich so weit aus, stimme sich soweit hinauf, bis es d. erreiche. Wenn nun nach dieser Ansichtder Durchgangston nichts als Fortsetzung des vorherigen Har-monietons ist: so muss er auch nach demselben genannt werden;also c stimmt sich hinauf zu cts, um nach d zu führen. Umgekehrtstimmt sich oben bei b der Melodieton d zu des hinab, um nachc zu kommen.
Hiernach ist oben grösstentheils verfahren. Warum istaber in No. 381 statt aïs gegen die eben erwiesne Regel 6, undin No. 382 statt ges im ersten Beispiele ßs, und statt es und desim letzten dis und cis gesetzt worden? — Aus folgendem Grunde.Alle Regeln der Schreibart haben nur einen Zweck : das Nie-derzuschreibende so leicht und sicher wie möglich darstellen zu las-sen ; auch die obige Regel entspricht diesem Zweck, indem siedie Durchgänge nach ihrer Herkunft benennt und damit erklärt,zugleich aber eine Anzahl Wiederherstellungszeichen spart; die auf-steigende chromatische Tonleiter z. B. würde, mit Erniedrigungs-zeichen geschrieben,
—•
>' jpl
-G-
m —gt-■---:-
--
-gr -i
nicht weniger als zehn Vorzeichnungen, dagegen mit lauter Er-höhungen (also streng nach der Regel) nur fünf, und in unsrerWeise (No. 381) nur sechs Vorzeichnungen erfodern. Nun würdeuns aber die strenge Befolgung der Regel auf Töne führen,die der voraussetzlichen Tonart allzufremd, die allzuenllegnenTonarten angehörig wären ; es könnte befremden, zu Cdur aïsoder ges , zu ^dur es oder des erscheinen zu sehn, obwohl es derSache nach — da die Durchgangstöne nicht zur Harmonie gehören— ganz unbedenklich wäre. Darum allein, um das Befremdlichezu mildern, nennt mau die Töne nach näher liegenden Tonartenoder Harmonien. — Die Abwägung dieser Rücksicht gegen denVortheil der streng regelmässigen Schreibart darf in den einzelnenFällen dem Ermessen eines Jeden anheim gegeben werden.
Was wir nun bisher an der Oberstimme gezeigt haben, kannin jeder andern Stimme statt finden. Man wird nur, vorzüglich inMittelstimmen, darauf zu sehn haben, ob auch für Durchgänge,besonders für mehrere auf einanderfolgende, innerhalb der Neben-stimmen Raum ist.
18