2 o6
2. ßarbarisirende Wirkungen der Wissenschaft.
1.
Wir sehen an dem gegenwärtigen Deutschland, dassdie Blüthe der Wissenschaften in einer barbarisirten Culturmöglich ist; ebenfalls hat die Utilität nichts mit denWissenschaften zu thun. (Obwohl es so scheint, in derBevorzugung der chemischen und naturwissenschaftlichenAnstalten, und reine Chemiker gar als „Capacitäten“ be-rühmt werden können.)
Die Wissenschaft hat einen eignen Lebensathem fürsich. Eine sinkende Cultur (wie die alexandrinische) undeine Uncultur (wie die unsrige) machen sie nicht unmög-lich. Das Erkennen ist wohl gar ein Ersatz der Cultur.
2 .
Alles Allgemein-Wichtige einer Wissenschaft istzufällig geworden oder fehlt ganz.
Das Sprachstudium, ohne die Stillehre und die Rhetorik.
Die indischen Studien, ohne die Philosophie.
Das classische Alterthum, ohne Zusammenhang mitden praktischen Bestrebungen, von ihm zu lernen.
Die Naturwissenschaft, ohne jene Heilung und Ruhe,die Goethe in ihr fand.
Die Geschichte, ohne den Enthusiasmus.
Kurz, alle Wissenschaften ohne die praktischeWendung: also anders getrieben, als sie die wahrenCulturmensclien getrieben haben. Die Wissenschaft alsBroderwerb !