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10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
Entstehung
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mitunter geht dies nicht, und dann hilft ihm kein Gottüber den Bach. Was bringt also das philosophischeDenken so schnell an sein Ziel? Unterscheidet es sichvon dem rechnenden und abmessenden Denken etwa nurdurch das raschere Durchfliegen grosser Räume? Nein,denn es hebt seinen Fuss eine fremde, unlogische Macht,die Phantasie. Durch sie gehoben, springt es weiter vonMöglichkeit zu Möglichkeit, die einstweilen als Sicher-heiten genommen werden: hier und da ergreift es selbstSicherheiten im Fluge. Ein genialisches Vorgefühl zeigtsie ihm, es erräth von ferne, dass an diesem Punktebeweisbare Sicherheiten sind. Besonders aber ist dieKraft der Phantasie mächtig im blitzartigen Erfassenund Beleuchten von Ähnlichkeiten: die Reflexion bringtnachher ihre Massstäbe und Schablonen heran und suchtdie Ähnlichkeiten durch Gleichheiten, das Nebeneinander-Geschaute durch Causalitäten zu ersetzen. Aber selbst,wenn dies nie möglich sein sollte, selbst im Falle desThaies hat das unbeweisbare Philosophien noch einenWerth; sind auch alle Stützen gebrochen, wenn die Logikund die Starrheit der Empirie hinüber will zu dem Satzealles ist Wasser, so bleibt immer noch, nach Zer-trümmerung des wissenschaftlichen Baues, ein Rest übrig;und gerade in diesem Reste liegt eine treibende Kraftund gleichsam die Hoffnung zukünftiger Fruchtbarkeit.

Ich meine natürlich nicht, dass der Gedanke, inirgend einer Beschränkung oder Abschwächung, oder alsAllegorie, vielleicht noch eine ArtWahrheit behalte:etwa wenn man sich den bildenden Künstler am Wasser-falle stehend denkt, und er in den ihm entgegenspringen-den Formen ein künstlerisch vorbildendes Spiel desWassers mit Menschen- und Thierleibern, Masken, Pflan-zen, Felsen, Nymphen, Greifen, überhaupt mit allen