Druckschrift 
Die Söhne Sebastian Bach's
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

34

C. H. Bitter,

s34

Hie und da gab er, wenn er gerade in der Lage war, anstän-dig austreten zu können, Klavier- und Orgel-Konzerte, in denenauch wohl der alte Genius aufblitzte; aber immer tiefer und tiefersank er herab, bis er im Schmutz und Ekel der Gassenrinnen ge-funden wurde.

In seiner besseren Zeit hatte er ein Werk: Von dem har-monischen Dreiklange geschrieben, hat aber keinen Verlegerdafür gefunden. In den Jahren 1778/79 hatte er sich sogar miteiner Oper beschäftigt, deren Text: La ns ns und Lydia nachMarmontel für ihn von dem Theaterdichter der Dobbelin'schmTruppe zu Berlin, Plümicke, gefertigt war, und worin er dieTheater-Chöre der Alten wieder auf die Bühne zu bringen beab-sichtigte. Aber es blieb bei dem Anlauf. Die Arbeit ist nichtfertig geworden.

An Entgegenkommen und an Gelegenheit Unterricht zu gebenhat es ihm in Berlin nicht gefehlt. Aber der wunderliche alteMann, durch Erfahrung nicht gebessert, von dem Gefühle der Künst-ler-Ehre nicht mehr erfüllt, hielt es für besser zu darben oder vonden Almosen ehemaliger Freunde kümmerlich zu leben, als täglichdurch einige Unterrichtsstunden sich und die Seinen zu ernähren.

An Instrumental-Kompositionen, meist für das Klavier, hat erim Ganzen und soweit sie der Nachwelt überliefert worden sind,einige 60 hinterlassen, darunter Konzerte, Sonaten, Fantasien undkleinere Klavierstücke, immerhin eine wenig genügende Ausbeuteeines so langen Künstlerlebens, das durch keine andere Pflichtenvom Schaffen und von nützlicher Thätigkeit abgehalten wurde. Erwar in diesen Jnstrumentalstücken glücklicher als in seinen kirchlichenKompositionen. Insbesondere seine Konzerte sind in großem Stilgehalten, kühn, zugleich graziös und glänzend, ohne jene kontra-punktische Steifheit, die an anderen Stellen störend bei ihm wirkte.Mit Bedauern blickt man, wenn man diese Tonstücke näher betrach-tet, auf das vergeudete Leben eines an sich so hochgebildeten genie-vollen Mannes, der so vorzügliches leisten konnte und nur soweniges geleistet hat.

Im Jahre 1778 noch hatte Friedemann der Prinzessin Ama-lie von Preußen, Friedrichs des Großen Schwester, 8 Fugendedicirt, in demselben Jahre, in welchem Emanuel Bach seinHeilig komponirt hatte. Beide Musikstücke waren die letzten