6. Selbst die alte Herrschaft in-erk^ diese Händel,Und aus manchem verstohlnen Getändel,
Was ihr Herr Sohn mit Esther gemacht,Schöpften sie allgemach Verdacht.
7. Zwar hielten diese ihre verliebten Blicke
Zn Gegenwart der Schloßhcrrschaft möglichstzu rücke,
Und ratione ihres Betragens und Gesichts,Hätt'rnan sollen denken : mir nichts, dir nichts.
8. Aber Verliebte können just in allen FällenNicht andre täuschen und sich immer verstellen;
Das Ding währet höchstens eine Zeitlang;Denn Naturtrieb gehet vor Zwang.
9. Besonders erregten die Besuche und GängeNach dem Dfarrhause, wegen ihrer Menge,
Aufmerksamkeit und gerechten Argwohn,Urber Jungfer Esther und den jungen Baron.
10. Aber, daß es Ernst sey mit dieser Minne,Stieg ihnen nie zu Gedanken oder zu Sinne,
Vielmehr glaubten beiderseits sie,
Es sei nur 'ne spaöhafte Galanterie.
11. Der alte Herr wußte aus jüngern Zeiten,
Wie wenig dergleichen Buhlschaften bedeuten;
Denn er hatte selbst manch temporellen RomanMit unadligen Mädchen gesponnen an.
12. Und die gnädige Frau that mit allem VertrauenAuf die hochadlige Gesinnung ihres Sohnes bauen,
Der nie durch eine MesallianzVerdunkeln würde des Geschlechtes Glanz.