Fanatismus. 475
tel von jeder Art bestätigen und verrheidigen zu können glau,bet; so begreift man schon, daß e« bey allen Völkern undin allen Himmelsgegenden Lerne har geben können, die mitdieser Krankheit behaftet warm. Es har auch dergleichensogar unter den Christen gegeben: aber man muß bemerken,daß die Anfälle dieses Uebels bey ihnen unessxlich minderheftig, als bey den Völkern von andern Religionen gewesensind. Man wird davor; üöerz-mget werden, wenn man dieAugen aufden kurzen Vortrag wirst, den wir machen wollen.
Und vorzüglich ist jener Fanatismus der grausamste, derblutgierigste, und der anhaltendste aus allen, die uns bekanntsind, gewesen, von dem die römischen Verfolger beseelet w»»ren. Er hat Ströme von Blute in allen Gegenden des Reuches vergießen heißen; er hat eine unzählbare MengeSchlacht,opfer, ohne Unterschied des Alters, des Geschlechts , desStandes, ermorden, verbrennen, in Stücke zerhauen heißen.Man findet die Beweise davon bey Guetonen, Tacitus,plinius , Amnrian Marccllin, Libanius, welche lauterheyLnifthe Schriftsteller sind. Dieser Fanatismus hat drcyganze Jahrhunderts gedauret. Während dieser drcyer Jahr-hunderte ist oft das ganze römische Reich nichts anders gewe-sen, als ein unermessmes Blutgerüst, das mit Leichen undSchlachtopfern, die unter den graulichsten Peinen dm Emstaufgaben, ganz bedecket war. Man kann nicht fasten, wieMenschen einer so entschlichen und so langwährmdm Grau-samkeit fähig gewesen ftyn, UNI Irrthümer zu vertheidigen,und die Wahrheit zu bestreiten. Es scheint, daß unsre ge-lehrten Philosophen all dies s nicht wissen. Sie sagen in ih-ren Srrafreden gegen den Fanatismus kein Wort davon.Sie haben nämlich wider das Heydenrhnm keinen Haß.