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6VI.
Die Welt verlacht die Dinge, die sie sonst be-wundern müßte, und tadelt, wie der Fuchs in derFabel, was sie beneidet. Eine große Liebesleidenschaftmit ihren großen Wonnen und Schinerzen wird allge-mein beneidet und darum möglichst lebhaft getadelt.Lin edelmüthiges Wesen, eine heroische That sollten be-wundert worden; wenn aber die Menschen bewunder-ten, zumal Gleichstehende, würden sie sich erniedrigtglauben, und darum spotten sie lieber. Das geht soweit, daß es im gewöhnlichen Leben nöthiger ist, edleHandlungen zu verheimlichen, als erbärmliche; denndie Erbärmlichkeit ist Allen eigen und wird darumwenigstens verziehen; der Adel der Gesinnung istgegen die Gewohnheit, scheint daher anspruchsvolloder doch Lob hcrauszufordern; welches das Publicumund zumal die guten Bekannten nicht gern aufrichtigzu spenden pflegen.
OVII.
Man sagt in Gesellschaft viele Albernheiten bloßum zu sprechen. Lin junger Mensch aber, der einigeSelbstachtung hat, verfällt, wenn er zuerst in dieWelt eintritt, leicht in einen andern Fehler, daß ernämlich, um überhaupt zu sprechen, wartet bis er inden Fall kommt, etwas ganz besonders Scbönes oderBedeutendes zu sagen. Darüber kann es geschehen, daß