Auszug aus der Kaisergeschichte. 255
er ihm schon vorher den Namen Vater des Vaterlands zn-crkannt hatte, widmete er ihm Tempel zn Rom und in denansehnlichsten Städten des Reichs und allgemein war derWunsch, er möchte entweder nicht geboren worden oder nichtgestorben seyn, von welchen Worten die erster» ans dasSchändliche seiner beginnenden, die andern ans das Trefflicheseiner endenden Laufbahn sich beziehen. Denn während ermit Erwerbung der obersten Gewalt beschäftigt war, hieltman ihn für einen Unterdrücker der Freiheit, in ihrem Fort-gänge aber liebte er die Römer in einem so hohen Grade,das! er einst, da die Vorrathshäuser nur noch ans drei TageGetreide enthielten, an Gift zu sterben im Sinne hatte,wenn nicht indessen die Flotten ans den Provinzen kämen. *)Sie trafen ein und die Rettung des Vaterlandes wurde
P Durch die Verheerungen während der Bürgerkriege, die Ab-nahme der Bevölkerung, die ungeheure Ausdehnung der Land-güter der Römische» Großen u»d durch die schlechte Bestellungder Aecker durch Sclaven war der Ackerbau in Italien soherunter gekommen, das, es seine und seiner HauptstadtBewohner nicht mehr ernähren konnte, sondern zu Zufuh-ren aus de» getreidereichen Provinzen des Reichs, nament-lich aus Sicilien, Pontus, Afrika und Aegypten seine Zu-flucht nehmen mußte. Waren nun Wind und Wetter un-günstig, so drohte Hnugersnoth und der Fall, daß die Ge-treidehäuser nur noch auf einige Tage Borrath batte»,wiederholte sich mehr als einmal. So war einst unterCaligula mir noch aus sieben bis acht Tage (Sencca vonder Kürze des Lebens Cap. 18.) unter Claudius nur nochauf fünfzehn (Tac. Annal. XU, 42.) Speisevorrath in denGetreidehäuseru vorhanden.
Victor. 3s Bdchn.
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