246 Sextus Aureüus Victor.
darauf zu legen ist, davon sind die Kaiser Tiberius und Galeriusein Beweis, welchen, so lange sie unter fremder Oberleitungstanden, ihre meisten Unternehmungen gelangen, die aber,sobald sie selbstständig austratcn, minder günstiger Erfolgesich zu erfreuen hatten.
Nun sind cs dreinndzwanzig Jahre, seitdem JuliusCoustautius als Augustus die Römische Welt beherrscht, einZeitraum, während dessen er selten die Waffen niedergelegthat, indem Stürme bald von Außen' bald im Innern seineThätigkeit in Anspruch nahmen. Er hat während desselbendie Herrschaft so vieler Anmaßer gestürzt, einen Krieg mitden Persern bestanden und den Sarmateu in ihrem eigenenLande mir großem Gepränge einen König gegeben, ein Ruhm,den er mit Cn. Pompejus, der den Tigraues wieder in feinReich eiusehte, und nur noch wenigen andern Römern derVorzeit in unserer Geschichte theilt. Seinen Charakter be-zeichnen eine den Umständen angemessene Nachsicht undMilde: er verbindet mit einer bis zur Eleganz sich erheben-den wissenschaftlichen Bildung und einer sanften, anmuthigenBeredsamkeit Ausdauer in den Geschäften und eine außer-ordentliche Geschicklichkeit in Handhabung des Bogens. Erweiß sich bei den Reizen des Gaumens, so wie in der Wol-lust und andern Leidenschaften zu beherrschen, erweist sichgegen das Andenken seines Vaters als ein zärtlicher Sohnund bewacht sich selbst mit rücksichtsloser Strenge, wohlwissend, daß von dem Wandel trefflicher Regenten die Ruhedes Staates abhängt. Aber den Glanz dieser vielen großenEigenschaften trübt seine geringe Vorsicht in der Wahl der