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2 (1898)
Entstehung
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nicht ohne dauernde Nachtheile geschehen kann, und nicht überallvor einem spätem Wiedererwachen der altern Gewöhnung schützt.

Bekanntlich bedienen sich die Conditoren zur Verhütung fortgesetzterNäschereien ihrer Lehrlinge des Mittels ihrem Appetit von vorn herein freienLauf zu lassen, wo es dann nicht fehlt, dass dieselben durch Uebersättigungmit den Süssigkeiten bald einen Ekel davor bekommen.

Auch der ausgepichte Trinker wird im Zustande des sog. Katzenjammersdas Trinken verwünschen und es nachher längere Zeit unterlassen, als er essonst unterlassen haben würde, nur dass in diesem Falle die alte Gewöhnungüber kurz oder lang wieder in ihre Rechte einzutreten pflegt.

Ganze Zeiten können sich an eine Mode oder einen Kunststil so gewöh-nen, dass sie nichts gestatten, was nicht im Sinne desselben ist, und endlichdurch Uebertreibung so davon übersättigt werden, dass sie in die Neigung zumEntgegengesetzten verfallen.

Bei Unlustreizen kann nach Eintritt des Umschlagspunctes, woein solcher überhaupt zu erzielen ist, eine neue Gewöhnung an denReiz als an einen Lustreiz und durch Uebersättigung ein neuerUmschlag eintreten.

So bringt das Tabackrauchen erst Unlust hervor. Bei öfterer Wieder-holung kann statt dessen durch Ueberschreiten des Umschlagpunctes Lusteintreten; dann kann man sich daran gewöhnen, dass man vom Rauchenselbst keine oder nur eine verminderte Lust, vom Fehlen des Rauchens aberein starke Unlust empfindet. Wollte man aber die Stärke und Dauer des Rau-chens übertreiben, so würde ein neuer Umschlagpunct eintreten.

An den Aufenthalt in schlechter Luft kann man sich bemerktermassenerst so gewöhnen, dass man ihre Unannehmlichkeit minder, den Eintritt inbessere Luft aber contrastmässig noch wohlgefälliger als ohne jenen vorgän-gigen Aufenthalt empfindet. Sehr langer Aufenthalt in mässig schlechter Luftaber kann durch Ueberschreiten des Umschlagpunctej auch zu einer solchenGewöhnung daran führen, dass wir den Wegfall der schlechten Luft unange-nehm spüren, wie denn Manche sich so an eingesperrte Stubenluft gewöhnthaben, dass sie jedes Oeffnen der Fenster scheuen; sollte aber die üble Be-schaffenheit der Luft gewisse Gränzen überschreiten, so w-ürde doch dasFenster lieber geöffnet werden.

Insofern ein Gegenstand zugleich niedere und höhere ästhe-tische Eindrücke zu erwecken vermag, wie diess im Allgemeinenvon Kunstgegenständen gilt, gehen die Verhältnisse der Uebung,Abstumpfung, Gewöhnung, Uebersättigung bezüglich beider ein-ander nicht nothwendig parallel, stehen vielmehr häufig, doch nichtnothwendig in Antagonismus; es soll aber in eine Casuistik in die-ser Hinsicht hier nicht näher eingegangen werden.