Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
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sich empfiehlt, wo Reinlichkeit sich wirklich aufrecht halten lässt,so sehr ist es verpönt in allen Fällen, wo es nicht möglich ist, siezu halten. Wonach ein Mann in weissen Stiefeln absurd erscheinenwürde und selbst eine Frau oder ein Mädchen weisse Atlasschuhenur als Ballschuhe trägt. Daher, nach einer Bemerkung vonG. Hermann, zwar Stubenthüren, aber nicht dem Strassenstaubeund Schmutze ausgesetzte Hausthüren weiss sein dürfen.

Nun freilich macht weiss ausser dem Eindrücke der Reinlich-keit und Reinheit auch den der Indifferenz, womit der der Einfaltnahe verwandt ist; und schon um die Gefahr solcher Deutung zuentgehen, kleidet sich eine Frau von Welt in Gesellschaft lieberfarbig, kehrt aber im häuslichen Morgen- und Abendneglige gernzu Weiss zurück, was hienach für die Frau so zu sagen dasselbeist, als das Grün für die Pflanze, woraus und worüber die Farbennur zeitweise auszublühn haben.

XXXVI. Vorbemerkung zu einer zweiten ßeilieästhetischer Gesetze und Principe.

Ich habe eine Reihe ästhetischer Gesetze oder Principe ziem-lich an den Eingang dieser Schrift gestellt und schliesse dieselbe,abgesehen von dem zuletzt stehenden Anhangsabschnitte, mit einersolchen. In einer systematischen Aesthetik wären sämmtliche Ge-setze im Zusammenhänge, also hintereinander, abzuhandeln ge-wesen; aber es wäre schwer gewesen, eine Ermüdung dadurch zuvermeiden; und nach dem ausgesprochenen Plane dieser Schriftwar es auf systematische Folge darin überhaupt nicht abgesehen.Also habe ich nur einige der wichtigsten Gesetze vorangestellt, undin den wichtigsten Anwendungen zu verfolgen gesucht; indem siesich aber dabei nicht nur unter einander, sondern auch mit nochandern Gesetzen verwickeln, ist dieser andern Gesetze bisher nurgelegentlich gedacht worden, in so weit sich Anlass dazu bot.Dabei konnte sich doch das Bedürfniss einer etwas eingehenderenBesprechung derselben fühlbar machen, und eine solche lasse ich