223
Die grosse Majorität hüllt sich in schwarze oder braune Gewänder, was bei-nahe schon überall in den Städten die herrschende Mode geworden, denn esgiebt, wie sonderbar es auch immer klingen mag, in der Türkei schon einebedeutende Klasse, die unter hellfarbigen, grellen Anzügen immer Kabalük(Rauheit) oder Türlük (Türkenthum), das mit dem ersten synonym ist,erblickt. Dasselbe gilt auch für die türkische Mode. Hier soll zur Zeit derSassaniden Scharlachroth eine beliebte Farbe gewesen sein; doch heute istsie aus allen Schichten verdrängt, und wenn gleich einfarbigen Stoffen immerder Vorzug gegeben wird, so sind diese doch immer bescheiden grün, gelb,blau oder deren Nuancen. Der Nomade ist der alten Sitte treu geblieben.Er sowohl, als auch dessen ansässiger Stamm- und Glaubensgenosse in Mittel-asien gefallen sich nur in den wildfarbigen Kleidern, und sowie man im Bazarvon Erzerum, Charput, Diabekr und Mosul zumeist nomadisirenden Kurdenmit hellrothen Mantelstoffen, Stiefeln und Hosen begegnet, so wird man inMittelasien noch bei der höchsten Beamtenklasse es als eine Auszeichnungbetrachten, vom Chan einen feuerrothen Tschapau oder Tschoga zu erhalten,noch mehr aber, in solchen auf öffentlichen Plätzen zu paradiren.«
Um unsrer Farben Verachtung gegenüber auch ein gegentheiliges Extremanzuführen, so bieten die alten Aegypter ein solches dar. In einem Aufsatzeüber das alte Aegypten im »Auslände« 1868. no. 40. S. 950 findet sich nacheiner Specialausführung in dieser Hinsicht folgende Stelle:
»Im Heiligthum ebenso wie im gewöhnlichen Leben umgab sich das Volkder Aegypter in so bezeichnendem Masse mit dem Schmuck der Farben, dasswir nicht zweifeln dürfen, es sei die Freude an der Buntheit und am Grellendie so ganz eigen der Kindheit zukommt, ein bestimmender Zug ihres Charak-ters gewesen. Gab es doch fast keinen Gegenstand ihres öffentlichen undPrivatlebens, den sie nicht mit Farbe überdeckten!
Sie bemalten ihre Tempel und ihre Häuser, die Thüren und die Stuben,die Tische, die Sessel und Bänke, das Hausgeräth, Töpfe und Gläser, dieSchmucksachen und Bildsäulen, die Kleider und Waffen, die Särge und Grab-gewölbe, die Bücher und Denkmäler, Haut und Haare. Je greller, je bunterkann man sagen, desto vornehmer dünkte sich der Aegypter. Der Halskragenwo er nicht aus edlen Steinen und Metallen gefertigt, nur aus geleimten Kat-tun gepresst ist, gleicht oft einem Regenbogenkranze. An dem Segelboot desvornehmen ist der Rumpf und der Mast, das Häuschen oder der statt seinerdienende Sessel, das Steuer, das Ruder, das Segel bemalt, bunt und grell»u. s. w.
G. Hermann (allg. Aesth. S. 68) nimmt an, »dass alle in derNatur gegebenen Dinge, die eine bestimmte Farbe mit einandergemein haben, auch sonst durch irgend ein andres diesem als demäusserlich formellen gleichartig entsprechendes innerlich wesen-haftesMerkmal zu einer Einheit oderKlasse verbunden sein werden.Es könne nicht Zufall, sondern nur innere Nothwendigkeit sein,dass in der Natur bestimmte Dinge nur bestimmte Farben, nihct