Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
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216
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als warme, letztere als kalte Farben bezeichen. Hat man dochsogar den Eindruck desRolh mit Trompetengeschmetter verglichen,was bei Blau Niemand einfallen kann, wogegen man Blau miteinem Flötenton vergleichen möchte. Auch werden Stiere undTruthühner durch Roth aber nicht durch Blau zum Zorn gereizt.Dabei muss man jedoch nicht vergessen, dass der Unterschiedzwischen Roth und Blau in angegebener Hinsicht nur ein relativerist. Aus einem allgemeinem Gesichtspuncte ist auch der Eindruckdes Roth receptiv, insofern er, wie der des Blau von Aussen kommt,es schlägt nur eben der eine leichter in active Erregung aus alsder andre.

Je weniger man von den unendlich vielen Farbenstrahlen, inwelche ein Prisma den weissen Strahl zerlegt, zu einer zusammen-gesetzten Farbe vereinigt, desto einfacher oder homogener, gegen-theils desto zusammengesetzter heisst die Farbe. Sollte aus derGesammtheit der Strahlen, welche den weissenStrahl zusammen-selzen, blos ein sehr kleiner Bruchtheil von einer Oberflächezurückgeworfen werden, die Farbe also sich der Einfachheit sehrnähern, so würde der Eindruck davon natürlicherweise demSchwarz nahe kommen oder nicht davon zu unterscheiden sein,wie umgekehrt, wenn nur sehr wenige Farbestrahlen zum Weissfehlten, der Eindruck davon dem Weiss nahe kommen oder nichtdavon zu unterscheiden sein würde. Da nun Schwarz wegen ganzmangelnder Helligkeit und Farbigkeit zugleich, Weiss, weil ihmdie letzte fehlt, (unter gleicher Beleuchtung) nicht den stärkst-möglichen Eindruck auf das Auge machen, so kann der Punctgrösstmöglicher Kraft der Farbe im oben S. 215 angegebenenSinne nur zwischen beiden Gränzen liegen; doch wo, darüberfehlt es bis jetzt an Untersuchungen. Jedenfalls scheint der Punctgrösster Kraft zugleich als Punct grösster Wohlgefälligkeit oderSchönheit einer Farbe anzusehen. Reinstes Anilinblau, leuchtendesVerbenaroth möchten auf diesem Puncte stehen.

Nun kann aber derGrad der Kraft einer irgendwie zusammen-gesetzten Farbe für gegebene Beleuchtungsverhältnisse noch da-durch abgeändert werden, dass man den deckenden Farbstoff, dersie giebt, geradezu mit Schwarz oder Weiss vermischt*). Erstres

*) Hat man einen lasirenden Farbstoff, so wird dasselbe durch Verdün-nung mit einer farblosen Flüssigkeit bei Auftrag auf einen schwarzen oderweissen Grund erzielt.