Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
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Der Begriff des Erhabenen hat verschiedene Gegensätze. Ausgewissem Gesichtspuncte steht ihm entgegen das Greuliche oderScheussliche, aus andrem das Kleinliche, aus noch andrem dasNiedliche, aus noch andrem das Lächerliche. Die Möglichkeit soverschiedener Gegensätze erklärt sich daraus, dass in den Begriffdes Erhabenen einmal die Grösse, zweitens der lustvolle, drittensder einheitliche Charakter des Eindrucks eingeht. Jedes dieserBestimmungsmomente aber kann für sich oder mit dem andernzusammen in den Gegensatz Umschlagen. Das Greuliche undScheussliche hat noch die Grösse des Eindruckes mit dem Erhabe-nen gemein; aber es ist eine unlustvolle Grösse; die Unlust über-wiegt, indess beim Furchtbaren die Lust noch überwiegen kann,wesshalb es in keinem reinen Gegensätze gegen das Erhabenesteht, sondern selbst erhaben sein kann. Das Niedrige, Kleinlichesteht nach beiden Momenten zugleich dem Erhabenen entgegen;es erweckt Unlust dadurch, dass es an Grösse, Kraft, Leistungeinen kleinern Eindruck macht, sich weniger über den Durch-schnitterhebt, als wir zu unserer Befriedigung verlangen; hiegegenhat das Niedliche das Moment des Lusteindruckes mit dem Er-habenen gemein, aber es ist vielmehr eine aus dem Gewöhnlichenheraustretende Kleinheit des extensiven Eindruckes, w'elche dieLust vermittelt oder den Eindruck zum Lustvollen ergänzt. Nichtselten findet man das Niedliche kurz als das Schöne im Kleinenerklärt; aber eine noch so kleine gemalte Madonna, ein noch sokleines Modell eines Tempels werden durch die Verkleinerung nochnicht niedlich; vielmehr muss die Kleinheit selbst zum Lusteffectbeitragen, um Niedliches zu erzeugen, was theils durch den Reizdes Ungewohnten theils vortheilhafte Associationen als Leichtigkeitder Last und Bewegung, materielle Bedürfnisslosigkeit u. dgl. ge-schehen kann. Das Modell eines schönen Tempels ist nicht nied-lich, sondern nur ein verkleinertes Schöne, w r eil wir gewohnt sind,verkleinerte Modelle zu sehen, aber ein liliputanischer Tempel mitwirklichen ein- und ausgehenden kleinen Figuren wrnrde uns nied-lich erscheinen; denn so etwas haben wir noch nicht gesehen.

Nun freilich können wir auch ein Dämchen, mit dem wir täg-lich umgehen, fortgehends niedlich nennen; aber doch nur, so-fern der Vergleich mit der gewohnten Damengrösse uns immerstillschweigend gegenwärtig bleibt.

Hiemit ist nicht geläugnet, dass wohlgefällige Verhältnisse