Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
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ist ein lustgebendes oder wenigstens Unlust ausschliessendes, Verhältniss.Damit ist der Begriff der Harmonie klar und ohne Cirkel bestimmt; denn,auf das was Lust und Unlust ist, kann man unmittelbar in uns weisen, wo-gegen die mancherseits beliebte umgekehrte Bestimmung, dass die Grund-bedingung der Lust in einem harmonischen Verhältnisse liege, um nicht aufCirkel zu kommen, nichts anderes sagt, als: die Bedingung der Lust liegt ineinem, Kürze halber harmonisch zu nennenden, Verhältnisse, dessen Naturaber durch diesen Ausdruck noch nicht bestimmt, sondern erst aufzusuchenist. Zwar sagt man wohl: harmonisch ist, was mit sich oder was mit unsstimmt. Aber was mit uns stimmt, erkennt man eben nur daraus, dass es Un-lust ausschliesst, indem es uns gesund erhält, oder dass es uns positive Lustmacht; und für das, was mit sich stimmt, haben wir zwar im Gebiete derLogik den klaren Satz des Widerspruches; aber was thut man damit in derMusik, der Malerei. Einen schlecht klingenden Akkord, eine ungefällige Far-benzusammenstellung, ein hässliches Gesicht, kann man Alles disharmonischnennen, aber eben nur, sofern es Unlust macht; dem logischen Satze des Wi-derspruches ist es nicht entgegen. So lange der letzte allgemeinste Grundvon Lust und Unlust nicht mit Sicherheit und Klarheit festgestellt ist, und dasist er bisher nicht (Th. I. 11 f.), hat man sich an particuläre Gesetze, nach de-nen Lust und Unlust entstehen, zu halten; die Ausdrücke harmonisch unddisharmonisch aber ersetzen weder noch enthalten solche.

Wenn man nicht blos das schöpferische Vorstellen des Künst-lers, sondern auch receptive des Geniessenden zum Phantasielebenrechnet, um den Begriff des Schönen nach beiden Seiten von derPhantasie abhängig zu machen, so kann hierbei unter Phantasienichts Andres verstanden sein, als das Vermögen sich überhauptin einer Mannigfaltigkeit von Vorstellungen zu ergehen, welchessich allerdings eben so wohl productiv äussern, als receptiv ange-regt und beschäftigt werden kann. Man mag zugeben, dass einweiter Sprachgebrauch auch eine so weite Auffassung des Begriffesder Phantasie zulässt und wirklich im gemeinen Leben Beschäf-tigung der Phantasie und Beschäftigung der Einbildungskraft durchein Kunstwerk oft unklar verwechselt werden; aber gewiss ist,dass man unter Phantasie in der Regel, und namentlich bei psycho-logisch klarer Unterscheidung, vielmehr ein schöpferisch produc-tives als ein receptives Vermögen versteht; und es scheintmir jedenfalls, dass die Erklärung der Schönheit in Bezug auf diePhantasie nicht ohne eine sorgfältige Auseinandersetzung in dieserHinsicht geschehen sollte, um nicht die Thätigkeitsweise der Pro-duction und Beception unklar zusammenzuwerfen, hiemit einesachlich untriftige Auffassung der Wirkung des Schönen hervorzu-rufen, welcher Gefahr mir in der That die bisherigen Erklärungen