Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
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man das Atelier nicht zu verlassen, denn die Maschinerie zu sol-chen Darstellungen findet sich schon in früheren Bildern und inCostümbüchern. Also hat Rahls Regel jedenfalls den Yorlheil derBequemlichkeit für den Maler.

Inzwischen haben wir damit, dass wir den Realismus histo-rischer Darstellungen Rahl gegenüber vertraten, doch den Idealis-mus in Rahls Sinne nicht überhaupt verwerfen wollen. Es giltnur, anstatt ihn einseitig zu predigen, ihm seine rechte Stelle an-zuweisen. Er wird sie mit grösstem Vortheil da finden, wo derMaler den Stoff für seine Darstellung vielmehr aus der Dichtungoder Sage, als Geschichte schöpfen muss; überhaupt weder dieUnterlagen für eine treue Darstellung noch ein Interesse an solchervorfindet, Puncte, die im Allgemeinen Zusammentreffen. EineAmazonenschlacht, einen Kampf aus dem trojanischen Kriege kannder Maler nur dichterisch frei behandeln, weil die Geschichte selbstsich hier in Dichtung verläuft, und eine Zerstörung Jerusalemskann trotzdem, dass sie historisch ist, nicht historisch treu vomMaler wdedergegeben werden, weil die Anschauung dazu fehlt, dieNachrichten dem Maler keinen hinlänglichen Anhalt bieten, und einemöglichst treue Vorführung keinem Interesse bei dem, jenem Ereig-niss fern stehenden, Publicum begegnen würde. Also ist es in der Ord-nung, wenn hier überhaupt kein Hauptgewicht auf die Befriedigungeines Interesess an realistischer Wahrheit gelegt wird, was sich dochnur unvollständig befriedigen lässt,indess man wohl versuchen kann,ein wirksames Motiv für Darstellung einer allgemeinen welthisto-rischen Idee daraus zu machen, wie von Kaulbach geschehen. Da-bei wird dann im Sinne der Betrachtungen S. 61 vielmehr auf dengeläufigen und durch die Kunst selbst geläufig gemachten Vorstel-lungen von den Trägern solcher Ideen, als auf Studien über die wirk-lichen Physiognomien und Trachten der alten Juden und Römer zufussen sein. In dieser Hinsicht ist unstreitig selbst der Realismuseines Vernet zu weit gegangen, wenn er das Resultat der wirklichvon ihm angestetlten Studien, dass die alten Juden im Allgemeinenund bis in viele Particularitäten hinein wie die heutigen Araberausgesehen, gekleidet gewiesen, sich benommen, dahin verwerthethat, die Patriarchen, Propheten und biblischen Persönlichkeitenüberhaupt als braune Araber darzustellen. Was hat er damit ge-wonnen und was ist damit gemonnen? Er tritt damit aus unseregeläufigen Vorstellungen heraus und befriedigt blos ein der Kunst