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2 (1898)
Entstehung
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Christi Geduld durch seine Darstellung als Lamm, die Dummheiteines Menschen durch Eselsohren. Denn in Wirklichkeit drücktsich Gottes Geist nicht in einer Menschengestalt und seine geistigeHöhe nicht in einer sichtbaren Höhe, sondern einem allgegenwär-tigen Wirken aus, drückt sich Christi Geduld nicht in der Erschei-nung eines Lammes aus und hat der dümmste Mensch keine Esels-ohren.

Der zu weiten Fassung des Symbols, wonach jedes sinn-liche Zeichen des geistigen als Symbol desselben gilt, steht einezu enge gegenüber, wonach blos sinnliche Zeichen des Geistigenals Symbol gelten sollen, da vielmehr nach der geltenden Gebrauchs-weise des Symbolbegriffes in der Kunstbetrachtung auch Sinnlichessymbolisch für Sinnliches eintreten kann.

So findet man wohl in antiken Reliefs, dass ein Haus, wasnicht ganz dargestellt werden kann, und doch zum Yerständnissdes Ganzen gehört, durch einen blossen Pfeiler dargestellt ist; einganzes Gebirge durch einen einzelnen Stein, ein Wohnzimmerdurch einen aufgehangenen Teppich*); hier ist es überall eincharakteristischer Theil, der symbolisch das Ganze vertritt.

Im Vatikanischen Museum findet sich eine Reihe Hercules-statuen**), welche diesämmtlichen 1 SlKämpfe desHalbgotts zeigen.Man sieht aber diesen immer ganz allein und die Gegner, die erbekämpft, den dreileibigen Geryon, den König Diomed mit seinenRossen, ganz klein daneben gebildet, gleichsam nur zur Erklärungder gewaltsamen Stellungen des Heros (Tölken, über das Basr.).Hier wird das Grosse durch sein Bild im Kleinen svmbolisirt.

Andremale kann die Wirkung durch das Wirkende, oder dasWirkende durch die Wirkung oderAehnliches durch einander sym-bolisirt werden. Die meisten Symbole beruhen auf Vorstellungs-association; viele sind auch rein conventionell, oder doch nur mitRücksicht auf die Convention zu verstehen.

Wenn, wie öfters in alten Bilder, Gottes Betheiligung aneiner Scene durch eine aus den Wolken herabgestreckte Hand be-zeichnet wird, so haben w r ir zugleich das Geistige durch das Kör-perliche, dieWirkung durch ein Wirkendes, das Ganze durch einenTheil, das seiner Bedeutung nach Erhabene durch ein räumlich

*) Tölken, über das Basrelief S. 82.

**) Abbildung im zweiten Th. des Mus. P. CI.

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