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Wahrheit hängt, geschwächt und das Interesse, was man insbe-sondere an der Wahrheit der Porträtstatue nimmt, nicht befrie-digt wird. Ein Monument, was den Menschen in voller Treuewiedergiebt, wird in dieser Hinsicht immer einen stärkern Ein-druck machen, nur leicht den Zweck des Monuments verfehlen,wenn die äussere Erscheinung des Menschen dem monumentalenCharakter widerspricht. Am glücklichsten, wo ein Conflict in die-ser Hinsicht nicht besteht, und der Künstler seinen Mann wie jenerSteinmetz, dessen ich S. 39 gedachte, seinen Kaiser abkonterfeienkann; aber allerdings sind Conflicte der Art nicht selten.
Ein frappantes Beispiel der Verlegenheit, den Conflict zu lösen, ja derUnmöglichkeit ihn glücklich zu lösen, bot das im Wiener Stadtpark aufzu.stellende Monument für den Lieder-Componisten Franz Schubert dar.*) ZurErrichtung desselben war ein Capital zusammengebracht und drei KünstlerWiedemann in München, Kundtmann in Rom und Pilz in Wien eingeladen,sich mit Skizzen ander Concurrenz um die Ausführung zu betheiligen. Keineder drei Skizzen genügte, und wie war es auch möglich, sagt der Berichter-statter »wo wie hei Schubert nicht nur der geistige Mensch, mit seinem tief-innerlichen, feinbesaiteten, Seelenleben, sondern auch die äussere Erschei-nung in ihrer charaktervollen unschönen Derbheit sowohl unter sich, als mitden Stilgesetzen der Plastik in Widerspruch gerathen. Diesen fast wie deredle John ins Breite gegangenen Körper, . . . diesen feisten Krauskopf mit denSchlemmerlippen und der bebrillten Stumpfnase, wer will ihn uns bilden inganzer Figur, wer kann es, ohne seinem eigenen, dem Genius des göttlichenSängers Eintrag zu thun, der für uns der Inbegriff alles Zarten und Innigen,die Psyche des deutschen Liedes selber ist.«
Wiedemann hatte die Erscheinung Schuberts mit der Unordnung seinerHaare, dem freistehenden Vatermörder, dem ausgerundeten Bäuchlein, sonaturalistisch wiedergegeben, dass die geistige Bedeutung des Mannes darübernicht zur Aussprache kam, vielmehr dei'selbe erschien »wie ein äusserlichwohlconditionirter Beamter, der sich in nachdenklicher Stellung zwischenDaumen und Zeigefinger eine Prise aufbewahrt, mit der er, sobald ihm derrichtige Gedanke gekommen, seine Nase belohnen wird«; wogegen der Pilz’—sehe Schubert »in seiner echt plastischen, das Kleine und Kleinliche ver-schmähenden, Haltung, mit dem Ausdrucke des Nachdenkens, des künst-lerischen Denkens einen günstigen Gesammteindruck machte, aber sich ganzfremdartig gegen den wirklichen Schubert darstellte, »keinen traulich an-sprechenden Zug desselben enthielt.« Ebensowenig befriedigte Kundtmann’sSkizze.
Der Berichterstatter empfiehlt nun, um die Schwierigkeit der Aufgabedie sich einmal nicht heben liess, wenigstens zu reduciren, stat einer ganzen
*) Beiblatt zu v. Liitzow’s Zeitschr. f. bild. K. 1 866. no. 20.Rechner, Vorschule d. Aesthetik. II. 2. Aufl. 9