Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
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der Umstand vermochte ihn endlich von seinem Irrthum zu über-zeugen, dass im Hintergründe eine Kirchweihfahne auf einer Schenkeaufgesteckt ist, welcher die Heimkehrenden den Rücken zuwenden.

Fragte mich nun jemand, ob ich das Bild lieber angesehenhaben würde, wenn die lieblichen Bauermädchen durch plumpeBauerdirnen, wie man sie in jedem Dorfe findet, ersetzt und dieHosen des Trunkenen voll Bierflecken wären, so würde ich esdurchaus verneinen; vielmehr hätte ich es dann gar nicht an-sehen mögen, und die realistische Wiedergabe der Unreinlichkeithätte gar Ekel erweckt, während ich jetzt mich gern mit den ein-zelnen Gestalten beschäftige; aber wie ich sie in der Idee desGanzen zu verknüpfen suche und an dieselbe halte, fangen sie miran zu missfallen, ich finde mich gestört, und das sollte nicht sein.Vermochte der Künstler den Gegenstand nicht zugleich wahrund anmuthig darzustellen, so sollte er ihn überhaupt nicht dar-stellen.

Kunstwerke der Art, in welchen die Idee blos benutzt ist,um Schönheiten wie an einem Faden aufzureihen, ohne dass dasgemeinsame Dasein dieser Schönheiten in der Idee des Ganzenwesentlich wurzelt, verhalten sich zu den ächten, wo sie im Zu-sammenhänge mit minder schönen und nach Umständen selbstunschönen Einzelheiten aus der Idee selbst hervorwachsen, wieder ganz aus Blumen zusammengesetzte durch einen Faden zu-sammenhängende Kranz zur blühenden Pflanze mit Blüthen, Sten-geln, Wurzeln. Man kann in ersterm viel mehr schöne Blumenanbringen, als letztere von selbst zu tragen vermag, kann sich auchwohl einmal den Kranz gefallen lassen, da man immerhin gern vielSchönes beisammen sieht, ohne überall zu fragen, wie es zusam-menhängt; aber die Kunst soll doch vielmehr einem Garten vollblühender Pflanzen als einer Halle, in der Kränze aufgehangen sind,gleichen; und während man der blühenden Pflanzen niemals über-drüssig wird, wird man der Kränze sehr bald überdrüssig.

Wieder aber will ich zugeben, dass ein leiser Zug der Ideali-sirung, der im Zusammenhänge durch das Ganze einer Darstellungaus realem Gebiete geht, einen Reiz darüber breiten kann, wel-cher den Nachtheil überbietet, der daran hängen bleibt, dass dieDarstellung nicht mit der vollen Kraft aus dem Leben selbst ge-griffener Wahrheit wirkt. Die Idealisirung muss nur eben leisegenug sein, dass das Gefühl eines Widerspruches mit der