Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
Seite
107
Einzelbild herunterladen
 

107

zugsweisen Ausdruck gebracht werden, und stellen die Aufgabeeiner solchen Idealisirung als eine höhere Kunstfoderung auf. Wasman als eine realistische Darstellung einer in diesem Sinne idea-lisirten gegenüberstellt, unterscheidet sich im Allgemeinen nur da-durch davon, dass in jener die Idee concreter gefasst und in derDarstellung concreter gehalten ist, als in dieser. Z. B. es handeltsich, eine Schlacht darzustellen. Nun kann man sie als eineSchlacht zwischen Franzosen und Beduinen auf algierischem Bodendarstellen, in welcher auch die Physognomien der Kämpfendenjeder Seite so charakteristisch verschieden unter einander sind alsder Wirklichkeit entspricht, wie es von Horace Vernet geschehen:man kann sie aber auch als eine Schlacht von einem gewissen all-gemeinen Charakter überhaupt darstellen, in welcher von der con-creten Beschaffenheit eines bestimmten Boden, einer bestimmtenNationalität und physiognomischen Verschiedenheit der Kämpfendenmehr oder weniger abstrahirt ist, indem zur Darstellung der Käm-pfenden entwedergeradezubloshergebrachleldealtypen oder dochnur typische Formen etwa mit heroischem, barbarischem, griechi-schem, römischem Gepräge verwandt werden, wie es z. B. vonCarlRahl geschehen ist; wobei es nichts ändert, wenn einer solchenSchlacht doch der Name einer wirklichen Schlacht beigelegt wird,nur dass sie nicht den Anspruch und Eindruck mache, eine ganzbestimmte Wirklichkeit wiederzuspiegeln, und damit den Eindruck,dass ihr eine allgemeinere Bedeutung zukomme, preisgebe.

Beide Auffassungen kommen darin überein, dass Hervorhebungdes Wesentlichen auf Kosten des Zufälligen, sei es des Individuumoder der Gattung für Aufgabe des Idealisirens erklärt wird, und sofassen wir sie aus diesem Gesichtspuncte Kürze halber unter demAusdrucke des Idealisirens im ersten Sinne zusammen. Weitüblicher jedoch als diese Auffassung ist eine zweite, mit der vori-gen zwar verfolgbar zusammenhängende doch nicht zusammen-fallende, wonach man in den Begriff des Ideals nicht blos die Ab-wesenheit von Störungen des vorausselzlichen Wesens oder diereine Erfüllung einer voraussetzlichen Idee, sondern den positivenBegriff der Güte, Schönheit oder Kraft mit aufnimmt, und demge-mäss unter einer idealisirenden Darstellung eine die Erscheinungdes Wirklichen verschönernde, im Ausdrucke veredelnde oderkräftigende, den Charakter überhaupt irgendwie vortheilhaftüber die Naturwirklichkeit erhöhende, Darstellung versteht. Nun