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son könnte aucli ein liederliches Gewand besser passen und würdedann vorzuziehen sein.
Es wäre erwünscht, wenn wir zwei kurze Bezeichnungen fürdie eine und andere Seite des Stils oder den Stil im einen undandern Sinne hätten, da doch beide verschiedenen Gesichtspunctenunterliegen, die sich nur unter dem sehr allgemeinen Gesichts-puncte möglichst vortheilhafter Verwendung der Darstellungsmittelvereinigen. In Ermangelung solcher bezeichnenden Ausdrückedafür unterscheiden wir beide als erste und zweite Seite desStils und beschränken uns im Folgenden, beide in Bezug auf diebildende Kunst zu erläutern. Sprechen wir zuerst vom Stil nachseiner ersten Seite.
Die Natur sorgt im Allgemeinen nicht dafür, uns die Gegen-stände unmittelbar unter den für ihre Auflassung günstigten Ver-hältnissen darzubieten, verdeckt nach Umständen die Hauptfigurdurch die Nebenfiguren oder stellt sie gegen diese bei Seite oderzurück, stimmt den Eindruck der Farben, der Linien im Einzelnennicht harmonisch mit dem Totaleindrucke, den das Ganze machensoll, und bemüht sich überhaupt um keine positiven Hülfsmittel,die Auffassung zu erleichtern, die Hauptstimmung zu unterstützen,bedarf freilich auch einer solchen Unterstützung nicht in gleichemGrade als die Kunst, da sie ihre Gegenstände nicht aus dem Zu-sammenhänge mit der übrigen Welt herausreisst, sondern in zeit-licher und räumlicher Verbindung damit darbietet, die von selbsterläuternd und das Verständniss unterstützend zum Eindruck derGegenstände hinzutritt. Was nun der Kunst in dieser Hinsicht vonVortheilen der Natur abgeht, muss sie durch den Stil nach seinerersten Seite nicht nur ersetzen, sondern wo möglich überbieten.
Zum Beispiel: die Hauptfigur soll sich als Hauptfigur geltendmachen. Es giebt viele Mittel dazu, zwischen denen so zu wählensein wird, dass der naturwahren Charakteristik und den andernStilforderungen noch möglichst genügt wird. Die Hauptfigur kanndurch Stellung, Isolirung, Grösse, Farbe, Beleuchtung, vollendeteAusführung, auch wohl durch mehrere dieser Umstände zugleichbevorzugt sein. Irgendwie aber muss sie bevorzugt sein, sonst istes ein Fehler gegen den Stil. Sie wird die vortheilhafteste Stellungin dieser Hinsicht behaupten, wenn sie sich in der Mitte des Ge-mäldes und über die andern Figuren erhöht oder vorragend dar-stellt. So sehen wir es z. B. in der Sixtina und Holbein’schen Ma-