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nach dem engern Sinne derselben den andern gegenüberstellensoll, kommt darauf an, ob das Interesse der Betrachtung vielmehrdas der Zusammenfassung oder Gegenüberstellung ist. Wo dieGegenüberstellung statt findet, ist sie jedenfalls in vorigem Sinnezu verstehen.*)
Fragt man also, ob die Kunst mehr auf Schönheit oder Cha-rakteristik gehen soll, so sagt diese Frage nichts Anderes, als: solldie Kunst das Gefallen an ihren Werken vielmehr durch Momente,die abgesehen von Charakteristik das Gefallen daran bedingen, wiedie Woblgefalligkeit des Gegenstandes an sich, oder durch die Cha-rakteristik zu erzeugen suchen? Aber diese Frage so allgemeingethan lässt nur die eben so allgemeine Antwort zu: Die Kunstsoll überhaupt durch jedeBedingung des Gefallens wirken, wo undso weit eine jede Platz finden kann, jede aber soll im Conflict mitandern so weit zurücktreten, dass doch der grösstmögliche Vor-theil des Gefallens im Ganzen dadurch erreicht wird, und die Cha-rakteristik macht hievon keine Ausnahme. Insofern sie aber nachihrer Beziehung zur Wahrheit eine positive Hauptbedingunghöheren und rechten Gefallens und durch Verhütung der Monotonieeine nicht minder wichtige negative Bedingung desselben ist, wirdsie überhaupt keine starke Verletzung dulden, ohne dass der Ver-lust grösser als der Gewinn ist.
Gewiss ist, dass es Kunstwerke giebt, die hauptsächlich durchihre Charakteristik ansprechen, und dass es andere giebt, die mehrdurch Schönheitsbedingungen abgesehen von Charakteristik an-sprechen; und man sieht nicht ein, warum es nicht sowohl dieseals jene geben soll, da sich nun einmal nicht alle Bedingungen derSchönheit in gleichem Grade vereinigen und zu gleichem Gradesteigern lassen.
Cornelius freilich, — um nur einer Hauptautorität von dieserRichtung das Wort zu leihen — hat unter den Regeln, die erseinem Schüler Max Lohde als eine Art Vermächtniss hinterlassen,auch die: »Streben Sie mehr nach der Schönheit als nach derCharakteristik. Oft wirkt ein einfach schönes Antlitz mehr, als alleBetonung des Individuellen.«**)
*j Aehnlich als mit Schönheit und Charakteristik in der bildenden Kunstverhält es sich in dieser Beziehung nach Abschnitt XV mit Schönheit undZweckmässigkeit in der Baukunst.
**) K. v. Lützows Zeitschr. f. bild. IC. 1 868. S. 86.
Fechner, Vorschule d. Aesthetik. II. 2. Aufl.
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