Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
Seite
56
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Anschluss an die Natur aufgiebt, in eine höhere, reinere, klarereWelt erheben, als die gemeine Wirklichkeit, in eine Welt, worindas Wesen, die Idee, die reine Natur der Dinge, die in der Wirk-lichkeit nur getrübt, gestört, verworren, unvollkommen oder garnicht sichtbar ausgeprägt erscheint und Seitens der Wissenschaftnur der verstandesmässigen Einsicht unterliegt, uns unmittelbaranschaulich entgegenleuchtet, in einer Form entgegenleuchtet,welche den Geist leicht anspricht, zu wohlthuender Bethätigunganregt und unmittelbar mit Lust erfüllt. Damit gewinnen wir aufKosten der Naturwahrheit, was man höhere Wahrheit nennen kannund nennt. Nur bedarf eine solche Zusammenfassung der ganzenhöheren Leistung der Kunst in wenig Worte noch einer genauemAuslegung und Ausbreitung des Allgemeinen in das darunter be-fasste Besondere. Beschränken wir uns auf die Hauptpuncte indieser Hinsicht.

Die Natur bietet uns Vieles, was durch ursächliche, teleolo-gische, ethische, gemüthliche, begriffliche, kurz ideelle Beziehun-gen irgend welcher Art verknüpft ist, so in Zeit und Raum aus-einanderliegend oder so durch andere Gegenstände verdeckt oderdurch Zufälligkeiten und Nebendinge gestört dar, dass diese Be-ziehungen sich in der Anschauung nicht leicht noch rein, wennüberhaupt geltend machen können. Insofern es aber ein Interesseoder einen Werth für die Menschen haben kann, sich dieser Be-ziehungen der Wirklichkeit geistig zu bemächtigen, kann die Kunstdadurch, dass sie die Gegenstände der Wirklichkeit in demgemässabgeänderter Weise zusammenstellt, zusammenzieht, von Hinder-nissen der Anschauung, störenden Zufälligkeiten, unwesentlichenNebendingen und unwichtigen Details frei darbietet, jenem Be-dürfnisse entgegenkommen.

Die Kunst kann ferner dadurch, dass sie Dinge der Wirklich-keit vielmehr so darstellt, w r ie wir wünschen möchten, dass siewären oder wie sie sein sollten, als wie sie wirklich sind, unsMusterbilder vor Augen stellen, deren Betrachtung uns theils ansich Genuss gewährt, theils unsern Sinn veredelt und unserStreben in gutem Sinne richtet; von andrer Seite dadurch, dasssie das Böse der Gerechtigkeit anheimfallend, unverschuldetesLeid sich versöhnend darstellt, unserer Ansicht von einer gutenund gerechten Weltordnung dienen.

Die Kunst kann endlich dadurch, dass sie Gegenstände, die