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2 (1898)
Entstehung
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meinem Tractat von der Malerei*) Regeln wie folgt: »Ein Malermuss von der Art einer jeden Sache, die ihm in das Gesicht fällt,die allerbesste erwählen und es wie ein Spiegel machen, der soviele Farben annimmt, als die Sachen besitzen, die man ihm vor-hält. Wenn er nun also mit sich umgeht, wird er gleichsam dieandere Natur zu sein scheinen«; und weiter: »die vornehmsteIntention eines Malers soll darin bestehen, wie er es angreifenmöge, dass die Körper auf der ebenen Oberfläche seiner Tafel er-hoben und abgesondert erscheinen: und derjenige, welcher andrehierinnen übertrifft, verdient grosses Lob.« Nach Leonardo sollenalso die Werke des bessten Künstlers nichts mehr als Spiegelbilderder schönsten wirklichen Formen sein und scheint er nochnichts von der Regel, dass man das Relief in der Malerei nicht zuweit treiben dürfe, gewusst zu haben.

Wie dem auch sei, so sehen wir in vorigen Reispielen dierealistische Auffassung und Richtung der Kunst schlicht und naivgenug der idealistischen gegenüber vertreten. Hienach wird über-haupt die Nachahmung der Natur durch die Kunst als Haupt-gesichtspunct derselben festgehalten. Anstatt den Gegenständenim Kunstwerke den Stempel des eigenen Geistes aufzudrücken odereinen Ausdruck göttlicher Ideen damit zu prätendiren, soll derKünstler nur darauf ausgehen, die Natur, insoweit es überhauptein Interesse hat sie wiederzugeben, durch möglichst objectiveDarstellung so wahr, klar UDd eindringlich als möglich für denBeschauer herauszustellen. Insofern es aber auch einen Reiz oderZw eck haben könne, mythologische oder Glaubensgegenstände dar-zustellen, seien sie doch immer möglichst in den Formen und nachden Bedingungen der Wirklichkeit darzustellen.

Es ist nicht ohne Interesse, dass w 7 ir Aussprüche von unsernzwei grössten Dichtern haben, welche sich zwischen der idealisti-schen und realistischen Richtung theilen. Schiller sagt in seinerAbh. über das Pathetische**): »Der letzte Zweck der Kunst ist dieDarstellung des Uebersinnlichen«; Göthe hingegen in den Pro-pyläen:***) »Die vornehmste Foderung, die an den Künstler ge-macht w'ird, bleibt immer die, dass er sich an die Natur halten, sie

*j 14. Obs. 10 . Thl. p. 186 .

**) Taschenausg. XVII. S. 242.

***) Taschenausg. XXXVIII. S. 9.