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2 (1898)
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XXI. Ueber den Streit der Form-Aestlietikerund Gehalts-Aestlietiker in Bezug auf die bildenden

Künste.

Es giebt einen sehr allgemeinen, auf die ganze Aesthetik be-züglichen, also auch Musik und Baukunst mit in sein Bereichziehenden, Streit zwischen den philosophischen Aesthetikern,welcher Kürze halber als Streit der Form-Aesthetiker und Gehalts-Aesthetiker bezeichnet wird, den ich aber hier zur Concentrirungdes Interesses und zu leichterer Vermeidung abstruser Gesichts-puncte, in der Beschränkung auf das Gebiet der bildenden Künstebetrachten werde, sollte auch dabei die Fühlung mit dem philoso-phischen Streite, wie er neuerdings namentlich zwischen Vischerund Zimmermann geführt wird, etwas verloren gehen. Ausserhalbder philosophishen Aesthetik wird doch der Streit hauptsächlichin der hier eingehaltenen Beschränkung geführt und kommen diehier anzuführenden Gesichtspuncte theils zur Sprache, theilsscheinen sie mir zur Sprache zu bringen.

Der Streit geht um folgende Frage: kommt bei dem Wertheeines Kunstwerkes als solchen etwas wesentlich auf die Beschaffen-heit des Inhaltes, den es darstellt, den ^erth_iier Idee) die sichdarin ausspricht, nicht vielmehr Alles auf die Form )an, in welcherder Inhalt sich darstellt, und womit der Künstler die Natur bis zugewissen Gränzen charakteristisch wiederzugeben, darüber hinausaber zu überbieten hat. Soll hienach das Trachten des Künstlersvielmehr dahin gehen, irgend einen Inhalt, eine Idee in schönerForm auszudrücken, ihm jeder Stoff recht sein, der sich so aus-drücken lässt, und soll er selbst die natürliche Form der Gegen-stände in diesem Sinne abändern, nur ohne der Charakteristik zuviel zu vergeben; oder dahin, einen werthvollen oder mindestensinteressirenden Inhalt, Stoff in irgend einer Form auszudrücken,die denselben klar und eindringlich für das Bewusstsein heraus-stellt, und ihm jede Form recht sein, die solchem Zwecke genügt.Der Beschauer, soll er, um den rechten Kunstgenuss zu haben,seinen Geschmack in solchem Sinne bilden, dass er vielmehr vomInhalt oder dass er vielmehr von der Form angesprochen wird;und der Kritiker sein Urtheil vielmehr nach dem Werthe des In-haltes, den die Form treffend ausdrückt, oder der Form, in der er