Von den berühmten Männern Roms. 59
Servius Tullins hatte zwei Tochter, die eine von einerheftigen, die andere von einer mehr sanften Gemüthsart.Dieselben Eigenschaften besaßen die beiden Söhne des Tar-quinius. Um nnn eine Milderung in ihrem Temperamentedurch die Verschiedenheit der Charaktere hervorzubringen, sogab Servius Tullins die erstere demjenigen von den Söhnendes Tarqninins, an welchem er eine sanfte, die letztere dem-jenigen, an welchem er eine heftige Gemüthsart bemerkte,zur Frau. Allein die Sanfteren starben entweder aus Zufalloder in Folge von Nachstellungen, und Gleüdheit der Cha-raktere vereinigte die heftigen. Es stand nicht lange an, soverlangte Tarqninins der Uebermnthige auf Anreizen seinerGattin Tnllia den Thron seines Vaters vor dem versammel-ten Senate zurück. Wie Servius Tullins davon in Kennt-nis; gesetzt wurde, eilte er zur Kurie, wurde aber ans Befehldes Tarqninins die Treppen hinabgcstürzt und auf der Fluchtnach seiner Wohnung getödtet. Tnllia eilte sogleich aufdaS Forum und war die erste, welche ihren Mann als Königbegrüßte. Wahrend sie ans die Aufforderung desselben, sichans dem Getümmel zu entfernen, nach Hanse znrnckkehrte,gewahrte sie den Leichnam ihres Vaters. Der Fuhrmannwollte ausweichen, sie aber gebot ihm, gerade über denLeichnam des Erschlagenen hinzusahren, daher jene Straßeden Name», die verfluchte, bekam. Tnllia mußte in derFolge mit ihrem Manne in die Verbannung wandern.
8. Tarquinius der Uebermnthige, sieben-ter König der Römer.
Tarqninins, der Uebermüthige, ein Beiname, den er