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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Angeborene Krankheitszustände.

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nächst die eigentümlich zerfahrene Lebensführung des Kranken, dieUnfähigkeit, sich dem landläufigen Bildungsgänge anzubequemenund seinen Anforderungen zu genügen, der wiederholte Wechselder Schulen und Lebensziele. Solche Schwierigkeiten weisen auferhebliche Abweichungen vom Durchschnitte hin, meist im Sinneder Entartung, deren Spuren wir deutlich genug in den körperlichenVerbildungen wie in der Verspätung der geistigen Entwicklung er-kennen. In demselben Sinne sind ohne Zweifel auch die geschlecht-lichen Verfehlungen des Kranken zu deuten. Wir wissen aus zahl-losenErfahrungen, daß sich der Geschlechtstrieb bei Entarteten sehrfrüh regen kann, daß er häufig zur Onanie führt und von da aus nurallzu leicht die absonderlichsten Bahnen einschlägt. Nicht seltensind dabei für seine Richtung zufällige persönliche Erlebnisse be-stimmend. Auf diese Weise können sich die geschlechtlichen Be-gierden auf Personen des gleichen Geschlechtes oder auf Kinderlenken. Ferner kann sich die Geschlechtslust, vielleicht anknüpfendan uralte, in unsere tierische Vorgeschichte zurückgehende Trieb-reste, mit der Ausübung oder der Erduldung von Mißhandlungenverbinden, bei den sogenannten sadistischen und masochisti-schen Verirrungen, und endlich kann die geschlechtliche Erregungso stark durch einzelne Begleitumstände des Geschlechtsverkehrshervorgerufen werden, durch bestimmte Körperteile, Kleidungs-stücke,' Stoffe, Gerüche, daß sie schließlich nur noch durch diese,aber nicht mehr durch die natürlichen Reize ausgelöst wird dasist der Fetischismus.

Bei unserem Kranken ist anscheinend die Bekanntschaft miteinem ihn besonders anziehenden Knaben für die weitere Entwick-lung seiner geschlechtlichen Neigungen maßgebend geworden, sodaß er auch späterhin ganz vorzugsweise im Verkehr mit KnabenBefriedigung fand. Daneben treten in seinen Aufzeichnungen nochAndeutungen sadistischer Neigungen hervor. Man hat früher ge-glaubt, daß die gleichgeschlechtliche Liebe auf einem angeborenenZwiespalte zwischen geschlechtlicher Veranlagung und Körper-bau beruhe. Gegen diese Auffassung sprechen aber einmal diezahlreichen Fälle, in denen, wie auch bei unserem Kranken, einSchwanken zwischen homosexuellen und heterosexuellenNeigungenstattfindet. Sodann aber sehen wir bei Entarteten auf dem Bodeneines früh erwachenden Geschlechtstriebes von natürlicher oder