Irresein nach Kopfverletzungen.
285
liehe Erschütterung, der Schreck, jedenfalls die Hauptrolle. Siekommen auch dann zustande, wenn keinerlei Kopfverletzung, jawenn überhaupt gar kein Unfall stattgefunden hat, sondern nur diegroße Gefahr eines solchen bestand. Daraus erklärt es sich, daßhier, abgesehen von den zufälligen Begleiterscheinungen wirklicherVerletzungen, nur-solche Krankheitszeichen aufzutreten pflegen,die durch Gemütsbewegungen hervorgebracht werden können. Zu-verlässige Zeichen des bestehenden Leidens, die nicht am Endeauch willkürlich erzeugt werden könnten, wird man daher mit Hilfeder körperlichenUntersuchung wohl niemals aufzufinden vermögen.
Dagegen schützt uns vor der Fehlerquelle der Verstellungeinigermaßen das ungemein eigenartige Gesamtbild, das die Zügeeiner dauernden gemütlichen Beunruhigung mit ihren Folgen fürdie Arbeitsfähigkeit, für die Lebensfreudigkeit, die Stimmung unddie körperlichen Verrichtungen, Empfindungen, Bewegungen, Kreis-lauf u. s. f. darbietet. Wie es scheint, ist diese gemütliche Beun-ruhigung zum Teil als die Nachwirkung der heftigen gemütlichen Er-schütterung, zum Teil aber auch wohl als die Wirkung des „Kampfesum die Rente“ anzusehen, der sich so oft in den peinigendstenFormen an den Unfall anschließt. Für die letztere Annahme spre-chen wenigstens die nicht seltenen Fälle, in denen mit der Siche-rung der Rente eine wesentliche Besserung aller Beschwerden ein-tritt. Gerade dann freilich pflegt sich leicht der Verdacht zu erheben,daß es sich vorher um zielbewußte Verstellung gehandelt habe.
Will man diesem Verdachte begegnen und Verfahren auffinden,die einen einigermaßen zuverlässigen Einblick in das kranke Seelen-leben gewähren, so können nur die psychischen Untersuchungs-verfahren zum Ziele führen. Ich habe daher schon in einer Reihederartiger Fälle mit Hilfe fortlaufenden Addirens einstelliger Zahlenund ähnlichereinfacherVersuche dasVerhalten der Kranken genauerprüfen lassen. Diese Verfahren, auf deren Einzelheiten ich hiernicht näher eingehen kann, haben den großen Vorzug, daßsieErgeb-nisse liefern, bei denen jede absichtliche Verstellung sofort deutlicherkennbar wird. Selbst solchen Personen, welche genau die aufdiesem Gebiete herrschenden Gesetze kennen, ist es nämlich ganzunmöglich, die besonderen, hier vorkommenden krankhaften Stö-rungen willkürlich nachzuahmen, wie das eigens darauf gerichteteVersuche dargetan haben. Auch bei unserem Kranken haben wir