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XXVI. Vorlesung.
Zeit nach Hause kam. Er spielte mit Kindern, konnte stunden-lang einigen Kanarienvögeln Zusehen, zeigte nicht die Neigungen,die seinem Alter entsprachen. „Der Verstand wächst nicht mit,“sagte der Vater in sehr bezeichnender Weise. Bisweilen soll erTage gehabt haben, an denen er sehr verdrießlich und reizbarwar, „Faxen und unnötiges Zeug“ machte, ältere Leute mit Duanredete und sich ungebührlich benahm.
Betrachten wir uns nun den schmächtig gebauten und mäßiggenährten jungen Mann, so läßt sich zunächst keine äußere Spurdes erlittenen Unfalles mehr feststellen. Dagegen ist das rechteAuge blind; auch scheint eine leichte Abducensparese zu bestehen.Die rechte Gesichtshälfte erscheint ein wenig schlaffer, als dielinke. Die Sehnenreflexe sind an Armen und Beinen auffallendlebhaft; der Händedruck ist links stärker, als rechts. Sonst zeigenweder Bewegungen noch Empfindlichkeit irgend welche Störungen.Im Harn läßt sich 1 % Zucker nachweisen, den wir bei geeigneterErnährung auf die Hälfte haben sinken sehen.
Der Kranke ist besonnen, klar über Zeit, Aufenthaltsort undseine Lage; er gibt geordnete Auskunft auf die an ihn gerichtetenFragen. Seit dem Falle leide er an Kopfschmerzen und sei ver-geßlich geworden. Von Zeit zu Zeit werde es ihm schwindlig;es gehe alles im Kreise mit ihm herum, ohne daß er jedoch hin-falle. Das Arbeiten sei ihm schwer geworden. Seine Kenntnisseim Rechnen sind recht gute; dagegen kennt er weder die Haupt-stadt von Baden noch den Namen des Großherzogs oder desKaisers. Auch die Hauptstädte Frankreichs und Österreichs sindihm unbekannt; von Ortschaften und Flüssen in Deutschland weißer nur einige wenige anzugeben. Über den Krieg von 1870 hat erhöchst unklare Vorstellungen. Die 10 Gebote vermag er herzusagen,weiß aber nicht, warum das Osterfest gefeiert wird.
Es kann zweifelhaft erscheinen, ob diese Mangelhaftigkeit seinesWissens ohne weiteres als krankhaft angesehen werden darf.Der Kranke war zwar nicht gerade ein schlechter Schüler, aberin einer uns übersandten Auslassung seines früheren Lehrers wirdausdrücklich darauf hingewiesen, daß junge Leute, die in derSchule kein reiferes Verständnis für die Lehrgegenstände erreichthaben, oft überraschend schnell alles wieder vergessen, was nichtdurch das Leben tagtäglich aufgefrischt wird. Immerhin werden