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XXV. Vorlesung.
Ganz besonders deutlich aber wird die Entstehung allerStörungen aus gefühlsstarken Vorstellungen durch die Tatsache,daß sie durch psychische Einflüsse sofort wieder beseitigt werdenkönnen. Sehr lehrreich war eine Kontraktur der rechten Hand,die bei der Kranken durch die gelegentliche Frage ihres ehemaligenArztes nach dieser früher öfters bei ihr beobachteten Störunghervorgerufen wurde. Schon am nächsten Tage war die Hand sokrampfhaft geschlossen, daß die Nägel in die Haut eindrangen.Nach einer kurzen Belehrung über die Metallotherapie erzielteein auf die Handwurzel gelegtes Goldstück, dann auch einSchlüssel die Lösung der Spannung. Noch besser und nachhaltigerwirkte allerdings der faradische Pinsel. Der Schlaf, auf den wirk-liche Schlafmittel fast gar keinen Einfluß hatten, wurde durchdestilliertes Wasser mit harmlosen Zusätzen oder durch Zucker-pulver vorzüglich beeinflußt; ebenso wichen alle die übrigenwechselnden Beschwerden derartigen, nur auf die Einbildungwirkenden Maßregeln. Allerdings waren alle Erfolge nur vorüber-gehende, wie es dem ewig schwankenden Verhalten der Gefühleentspricht; nach einigen Stunden oder Tagen kehrte mit oder ohneäußeren Anstoß dieses oder jenes alte Krankheitszeichen wieder.
Diese Launenhaftigkeit der hysterischen Erscheinungen ver-führt nur zu leicht zu der Annahme zielbewußter künstlicher Mache.Allein viele der beobachteten Störungen sind willkürlich kaum oderüberhaupt nicht nachzuahmen; andere werden nur zufällig entdeckt,da sie den Kranken gar nicht zum Bewußtsein kommen, wienamentlich die Einschränkung bestimmter Wahrnehmungsgebiete.Gerade dieser Umstand scheint mir geeignet, die Annahme zustützen, daß wir es überall mit den unwillkürlichen Wirkungen vonlebhaften Gefühlen zu tun haben.
Auf der anderen Seite wird die Krankhaftigkeit des Gesamt-zustandes auch da, wo wirklich einmal Störungen vorgetäuscht oderstark übertrieben werden, durch die ganze Lebensführung derKranken dargetan. Unsere Kranke ist trotz ihrer recht gutengeistigen Veranlagung durchaus nicht imstande gewesen, auf dieDauer irgend eine Stellung im Leben auszufüllen, sondern ist nunschon seit vielen Jahren aus den Händen eines Arztes in die desanderen gewandert. Wir erkennen darin die tiefe Willensstörung,die wir bei Hysterischen niemals vermissen. Trotz der meist ganz