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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XX. Vorlesung.

geführt werden. Die körperliche Untersuchung ergibt zunächstschlaffe, ausdruckslose Gesichtszüge mit ungleicher Ausprägung derNasenlippenfalten. Die Zunge zittert stark beim Vorstrecken; da-bei treten Mitbewegungen im ganzen Gesichte und in den Hals-muskeln auf. Die rechte Pupille ist weiter, als die linke; beide sindlichtstarr. Die Hände zittern; die grobe Kraft ist gering; die Be-wegungen sind plump und ungeschickt. Die Sehnenreflexe sind leb-haft; Fußklonus ist angedeutet. Beim Stehen mit geschlossenenAugen tritt leichtes Schwanken ein. Einen derben Nadelstich, denich dem Kranken in der Unterhaltung beibringe, bemerkt er garnicht, ist ganz verwundert, als er auf die tief in der Hand steckendeNadel aufmerksam gemacht wird. Der Gang ist etwas schwerfällig,die Schrift unsicher. Auch die Sprache ist erheblich gestört; beimNachsprechen der Probewörter stellt sich deutliches Silbenstolpernein. Außerdem aber vermag der Kranke beim Vorzeigen vonGegenständen vielfach die richtige Bezeichnung nicht zu finden, ob-gleich er die Dinge selbst ganz gut erkennt und sofort zustimmt,wenn man ihm die Namen sagt; es bestehen also Andeutungen vonAphasie.

Wie Sie sehen, wird durch diesen Befund unsere Annahmein vollem Umfange bestätigt. Das vorliegende Gesamtbild ent-hält alle wesentlichen Züge der Paralyse und zwar ohne die Wahn-bildungen und Stimmungsänderungen, die wir in früheren Fällendieser Krankheit beobachten konnten. Es wäre allerdings möglich,daß dem jetzigen Zustande etwa eine reichere Entwicklung derKrankheitszeichen voraufgegangen wäre. Das trifft jedoch hiernicht zu. Der Kranke, der unehelich geboren ist und zwei entfernteVerwandte hat, die geisteskrank waren, ist bis vor 6 / t Jahren ganzgesund und ein nüchterner, fleißiger Arbeiter gewesen. Er ist ver-heiratet und hat ein Kind besessen. Die Krankheit soll nach einemBrande zuerst bemerkt worden sein, doch hat der Kranke schon vor4 Jahren vorübergehend an Doppeltsehen gelitten, damals auchzeitweilig den Harn nicht halten können. Nach jenem Schreckstellten sich Kopfschmerzen ein, Schlaflosigkeit, Mangel an Eßlust,Stuhlverstopfung, Gedächtnisschwäche und Verstimmung. Zeit-weise besserten sich die Erscheinungen; in den Zwischenzeitenarbeitete der Kranke, aber hastig und mit einer gewissen Erregung.Als er schließlich vor 4 Wochen bei uns aufgenommen wurde, traten