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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XIX. Vorlesung.

öffnete. Schließlich nahm dieser selbst die Abgabe des Mittels indie Hand. Da er aber der Kranken nie genug gab, so wußte sie ihnauf alle mögliche Weise zu hintergehen, entnahm heimlich aus denFlaschen Morphium, goß Wasser nach und stieß sie dann um. ImLaufe der letzten 10 Jahre soll sie für mehrere 1000 Mark Morphiumverbraucht haben, so daß die wirtschaftlichen Verhältnisse derFamilie sehr darunter litten. Ihr Zustand verschlechterte sich dabeiimmer mehr; alles drehte sich für sie um das Morphium. DieKranke wurde unstet, haltlos, ängstlich, konnte ohne Einspritzungnicht mehr arbeiten; sie und schlief sehr schlecht, kam in ihrerErnährung zurück, sah blaß und verfallen aus. Die Mensesschwanden fast ganz.

In den letzten Jahren fing die Kranke an, zu trinken. AlleVersuche, ihr das Morphium zu entziehen, schlugen fehl, so daßman sich endlich entschloß, sie in die Klinik zu bringen. Sie solldamals 12 gr Morphium täglich verbraucht haben. Dennochging die Entziehung, die in 5 Tagen durchgeführt wurde, ohne be-sondere Schwierigkeit vonstatten; jene Angabe war somit zweifellosviel zu hoch gegriffen. Es trat nur leichte Unruhe, Beklemmungs-gefühl und etwas Durchfall auf. Dagegen war die Kranke währendder Entziehung und auch noch einige Tage nachher sehr gereizt,einsichtslos, versicherte, sie werde sich sofort wieder Morphiumverschaffen, obgleich sie auf eigenen Wunsch die Kur begonnenhatte. Erst späterhin, mit Hebung des anfangs noch gesunkenenKörpergewichtes, wurde sie verständiger und zuversichtlicher,meinte, sie werde nie mehr rückfällig werden. Trotz aller War-nungen ließ sie sich daher auch nicht halten, sondern verließ mitZustimmung ihres Mannes nach kaum 2 Monaten die Klinik.

Der von uns unter diesen Umständen mit Bestimmtheit er-wartete Rückfall erfolgte nach Aussage der Kranken schon in denersten Tagen, doch merkte ihr Mann erst nach Jahresfrist davon.Sehr bald entwickelte sich wieder der alte Zustand. Wenn dieKranke kein Morphium hatte, legte sie sich zu Bett, hatte Herz-klopfen und fühlte sich so elend, daß sie alles daran setzte, sichimmer wieder auf allerlei Schleichwegen das Mittel zu verschaffen.Ich würde gestohlen haben, sagt sie selbst;ein Morphinist hatkein Schamgefühl. Die Tagesgabe soll etwa 1 gr betragen haben.Wir verabreichten ihr daraufhin zunächst etwas über y 3 dieser