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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
Entstehung
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Katatonische Erregung.

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Ausdruck einen Choral zu singen, geht in einen Gassenhauer über,lacht ausgelassen und bricht ebenso unvermittelt in lautes Schluch-zen aus. Der Ernährungszustand der zart gebauten Kranken istsehr schlecht; ihre Lippen sind rissig, mit Krusten bedeckt; derKopf ist gerötet, der Puls stark beschleunigt. Im Munde sindfrische syphilitische Geschwüre vorhanden, die sich allerdings beidem starken Widerstreben der Kranken nur unvollkommen unter-suchen lassen.

Was an diesem schweren Erregungszustände auffällt, ist zu-nächst der Gegensatz zwischen der völligen Verworrenheitder sprachlichen Äußerungen und der geringen Störungder Auffassung und Orientierung. Die Kranke redet den Arztmit „Herr Doktor“ an, macht treffende Bemerkungen über einzelneVorgänge in ihrer Umgebung, beantwortet aber nicht die einfachstenFragen, sondern bringt langsam, ohne Überstürzung, ganz zu-sammenhangslose Worte und Ausrufe vor. Dabei ist die häufigeWiederkehr derselben Wendungen sehr deutlich, ebenso die ge-legentliche Spielerei mit Gleichklängen und Reimen. Um ihreUmgebung kümmert sich die Kranke trotz ihrer guten Auffassunganscheinend gar nicht, verhält sich vielmehr ablehnend und wider-strebend. Ihre Stimmung ist im ganzen gleichmütig, vorwiegendheiter, nur vorübergehend traurig. Ihre Unruhe ist ziellos, ein-förmig; es sind nicht Handlungen, sondern nur Bewegungen, diesie ausführt. Weisen wir endlich noch auf das Gesichterschneidenhin, so wird Ihnen, wie ich denke, die grundsätzliche Überein-stimmung des vorliegenden Zustandes mit demjenigen des vorigenKranken klar sein. Hier wie dort finden wir gute Auffassungbei geringer Aufmerksamkeit, Sprachverwirrtheit,Stereotypie in Reden und Benehmen, Negativismus, sinn-lose Unruhe mit läppischen Handlungen ohne tiefere ge-mütliche Erregung. Auch dieser Zustand gehört somit in dasGebiet der Katatonie.

Der Vater unserer Kranken war Trinker; sie selbst war schwachbegabt. Mit 23 Jahren trat im Anschlüsse an eine unbedeutendeKopfverletzung, vielleicht mit Erysipel, eine Änderung in ihremBenehmen ein. Sie wurde scheu, in sich gekehrt, auffallend ver-geßlich, ängstlich, glaubte, es brenne, goß deswegen Wasser inihr Bett, ließ Urin auf ihr Kopfkissen, sah Gespenster und geriet